Norbert Bisky, Steven Black, Gregory Forstner in der Galerie Jocelyn Wolff

Gregory Forstner (links) und Norbert Bisky (rechte Wand) · Foto: Galerie Jocelyn Wolff

Gregory Forstner (links) und Norbert Bisky (rechte Wand) · Foto: Galerie Jocelyn Wolff

Besprechung

Jocelyn Wolff setzt in Paris kurz vor den Sommerferien ein deutliches Zeichen: Malerei ist wieder da. Eine figurative Malerei ohne Komplexe, eine reflektierte Malerei, die unbefangen und dekonstruktiv mit überkommenen Bildsprachen und alten Meistern umgeht und so die Frage nach dem Ort des Individuums auf
bisher ungesehene Weise stellt.

Norbert Bisky, Steven Black, Gregory Forstner in der Galerie Jocelyn Wolff

Einsam, nur als Singular zu sein, inmitten eines Raumes, der um den Einsamen zur Leere wird, das scheint ein unhaltbarer Zustand. Doch es gibt ein Echo des Einsamen, das ist sein Bild. Leere ist ein Kardinalproblem der Malerei seit der Renaissance. Mit der Entdeckung des Individuums wurde auch die Einsamkeit des Subjekts entdeckt. Zwischen Leere und Einsamkeit steht das Bild wie ein Schirm. Diese Position ist eine Herausforderung für die Malerei. Die Galerie Jocelyn Wolff, selbst erst seit Oktober letzten Jahres im Pariser Osten präsent und soeben schon zur diesjährigen Pariser Kunstmesse FIAC eingeladen, zeigt durchdachte Positionen, die sich ihr stellen.

Die Arbeiten des 1970 geborenen Norbert Bisky skandalisierten in Deutschland die Kritik mit scheinbar faschistoider Ästhetik. Doch Biskys Bilder halten ironische Distanz zu totalitärer Malerei. Der in Leipzig aufgewachsene Meisterschüler von Georg Baselitz dekonstruiert den «Bildermüll der Diktaturen», wie er sagt. Das Individuum, so erzählen Norbert Biskys Bilder, lebt nur durch Abwesenheit im Bild, seine Spur ist die Leerstelle.

Spuren und Leerstellen bestimmen auch die Kompositionen des in Berlin lebenden Australiers Steven Black. Seinen Figuren bietet in rutschenden Perspektiven nur die Farbe noch Halt. In Auseinandersetzung mit Bacon, Freud oder Giacometti modelliert Black in eigenständiger Weise die Fläche zu farbiger Körperlichkeit, entdeckt das Individuum im «Fleisch der Farbe» in gekonnter und verstörender Weise neu.

Die Narrengesichter des achtundzwanzigjährigen Gregory Forstner aus Nizza scheinen direkt aus Bildern Velasquez? in die Gegenwart gehoben, sein «Gilles» ist eine Hommage an Watteau, den französischen Maler des frühen 18. Jahrhunderts. Individualität schält sich in Forstners Malerei aus den Leerstellen, die in der Ähnlichkeitsbeziehung zwischen dem kunsthistorischen Vorbild und seinen Nachbildern, Echos gleich, entstehen.

Wo Bisky sich aus ikonischer Uniformierung herausmalen will, wird Black die leere Fläche zum Gestaltungsgrund von Persönlichkeit. In Forstners malerischen Exzerpten schliesslich wird der unhintergehbare Rest sichtbar, der uns für immer als Einzelne vor dem Aufgehen im Imaginären bewahrt: der Pinselstrich des Malers.

Bis 
02.07.2004

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