Heinz Mollet in der Galerie Beatrice Brunner

Heinz Mollet · Part 14.10.2004, Acrylemulsion und Partikel auf Baumwolle, 160 x 120 cm

Heinz Mollet · Part 14.10.2004, Acrylemulsion und Partikel auf Baumwolle, 160 x 120 cm

Besprechung

Zarte Blüten oder zu wichtig genommene Medieninformationen? Der Berner Künstler Heinz Mollet (*1947) findet in der Abstraktion nicht nur den reinen Klang der Farben, sondern auch Gelegenheit zu ironischem Zitat und augenzwinkernder Betrachtung.

Heinz Mollet in der Galerie Beatrice Brunner

Eine zarte Heiterkeit und Frühlingsleichtigkeit geht von den jüngsten Werken Heinz Mollets aus, gehalten in lichten Blau- und Grüntönen und mildem Beige. Mollet hat sich seit Anfang der neunziger Jahre der Abstraktion verschrieben. Reine Malerei erstrebt er, die Farbe und Textur ins Zentrum rückt und erst in zweiter Linie auf etwas anderes, etwas jenseits des Bildes Befindliches verweisen kann. Mit seinen aktuellen Arbeiten setzt Mollet die 2002 begonnene Serie der «Parts» fort, deren Titel nicht zufällig auf Musik und Schauspiel verweist. In der Musik findet Mollet, der selbst einige Erfahrung am Klavier besitzt, einen selbstverständlicheren Umgang mit der Abstraktion. Ein Hörer frage nicht sofort, was eine Komposition bedeute. Diese Freiheit erstrebt Mollet und praktiziert die Malerie als eine Art visuelles Äquivalent der Musik. Er komponiert mit Farbtönen, Farbdichte. Flache Flächen, reliefhaft plastische Pinselakzente: Die Bilder sind strukturiert, Farben, Linien, Schichten wirken wie ein Orchester zusammen. Im blaugetönten «Part 25. Oktober 2004» scheint dieses Orchester eine leichte Melodie vor offenem weitem Himmel zu spielen. Ein heller Rot-Gelb-Klang findet sich in «Part 14. Oktober 2004». Auch die opponierende Skala der dunklen, schweren Töne nutzt Mollet: sparsam als Akzente.

Nicht alle Bilder sind nach Daten benannt. Auch einen «Part Raoul» gibt es, einen «Part Robert», einen «Part Piet». Künstler verbergen sich dahinter: de Keyser, Ryman, Mondrian. In «Part Piet», 2004, frisch und grün wie ein Schluck kaltes Wasser, lesen sich - kennt man den Titel - angedeutete Vertikallinien wie eine sehr saloppe Persiflage auf die unerbittliche Strenge des De-Stijl-Gründers. «Part Gerhard», 2004, erinnert recht deutlich an Richters Wolkenbilder. Und verweist so auf ein gemeinsames Thema bei Richter und Mollet: das allgegenwärtige Bild, die Überfülle an visuellen Informationen. In den weiten, wolkig-mehrfarbigen Flächen von Mollets Bildern schweben Elemente wie Planeten eines unbekannten Sonnensystems. Diese krümelkleinen Elemente vergleicht Mollet nicht ohne Ironie mit den Informationen, die täglich auf den Menschen eindrängen. Aus der Distanz betrachtet scheint auch Gewichtiges winzig. Und so lassen sich die Elemente denn auch als harmlose Blüten oder Noten lesen. Laufspuren gehen in einigen Bildern von diesen Elementen aus: «Drippings», die Mollet beim Abstrakten Expressionismus ausleiht. Durch diese ironischen Zitate werden die «Parts» zu einer Revue der Moderne und offenbaren jenen kunstgeschichtlichen Hintergrund, vor dem jeder Künstler arbeitet. Mollets Werk ist jetzt auch in der Monografie «Heinz Mollet - Malerei. Werke von 1992 bis 2004», Stämpfli-Verlag, Bern, dokumentiert.

Bis 
08.07.2005
Autor/innen
Alice Henkes
Künstler/innen
Heinz Mollet

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