Jiri Georg Dokoupil in den Deichtorhallen

Jiri Georg Dokupil · Illegal Immigrant - coming to Germany, 1993, aus der Serie Emigranten, Kerzenruss auf Leinwand, Courtesy Galerie Bischofberger, Zürich, © ProLitteris, Zürich

Jiri Georg Dokupil · Illegal Immigrant - coming to Germany, 1993, aus der Serie Emigranten, Kerzenruss auf Leinwand, Courtesy Galerie Bischofberger, Zürich, © ProLitteris, Zürich

Hinweis

Jiri Georg Dokoupil in den Deichtorhallen

«Malerei im 21. Jahrhundert» - noch der Titel der Werkschau gerät bei Jiri Georg Dokoupil zum grossen Format. Immerhin ein Vierteljahrhundert umspannt diese Retrospektive und nimmt den überwiegenden Teil der nördlichen Deichtorhalle ein. Dokoupil, einst Protagonist der «Jungen Wilden», war spätestens 1982 durch Teilnahme an der «documenta 7» international bekannt. Doch erst danach sollte sich sein Hang zu radikalem Stilwechsel in aller Konsequenz entfalten: Seit 1984 kultiviert er die Regel des geplanten Regelbruchs, frei nach der Maxime «Eine Technik - Eine Serie». Stetig erfindet er neue Verfahren und Materialkombinationen, die er gezielt und zeitlich begrenzt auf visuelles Potenzial hin ausbeutet und in zusammenhängenden Serien umsetzt. Die schöpferische Unruhe permanenten Neuerfindens wird im Rückblick besonders deutlich, doch einiges bleibt auch konstant: Etwa, dass Dokoupil beim Experimentieren meist ohne Palette und Pinsel auskommt. Stattdessen arbeitet er etwa mit Kerzenruss: Solche ab 1989 entstehenden Bilder gehören wohl zu seinen bekanntesten, zudem ist es eines der wenigen Verfahren, das Dokoupil bis heute wiederholt anwendet. Er entwickelt die Werkgruppen aus einer Logik des Materials und daraus erwachsender Inspiration: Etwa in grotesk abstrakten «Frotteebildern», 1983-84, oder blasig bunten «Soap-Bubble Paintings», 1992-93. Selbst Fruchtsäure oder Muttermilch machte er zur Basis seiner Bildverfahren. In grossformatigen «Reifenbildern», 1991-92, bündelte Dokoupil Fahrzeugspuren zu farbigem Dickicht und nennt das «Selbsterziehungsbilder, um Kompositionen zu akzeptieren, die ich mir nie hätte ausdenken können». Diesem Spiel mit Grenzen von Geste und Kalkulation steht jene «heftige» Malerei der frühen achtziger Jahre formal zwar eigenartig unvermittelt gegenüber, ist ihm seiner lapidaren Chuzpe nach aber eng verwandt. Katalog 34.90 Euro.

Bis 
27.08.2005

Werbung