RELAX im Centre Pasquart

RELAX - Molnau (sculpture), Videostill, 2005

RELAX - Molnau (sculpture), Videostill, 2005

Besprechung

Was kostet die Kunst? Die Frage um Wert und Preis der Kunst, die gern beiseite gelassen wird - RELAX stellt sie selbstbewusst in den Mittelpunkt einer Grossinstallation. Das Künstlerduo Marie-Antoinette Chiarenza und Daniel Hauser setzt damit die schon in früheren Arbeiten begonnene, oft provokative Auseinandersetzung mit Geld und Kunst fort.

RELAX im Centre Pasquart

«Who pays?» In bläulich-kühler Neonschrift schweben die beiden Worte wie ein Motto über der Ausstellung. Ein Thema, das trocken scheint und heikel und deshalb gern ausgespart wird. Wiewohl der offizielle Kunstdiskurs das Genie schon längst ausgemustert hat, lebt doch das Bild vom Künstler als Geistesmensch fort, der sich mit den wahren und wesentlichen Gedanken beschäftigen soll und nicht mit Spesenquittungen. Dass auch Kunst etwas kostet, wird meist erst dann zum Thema, wenn Kunst nicht gefällt und aus diesem Nichtgefallen heraus zu teuer scheint. Unabhängig davon, wie viel sie kostet. Da wird die Kunst und mit ihr der Künstler zum Buhmann. RELAX greifen diesen Mechanismus auf und ironisieren ihn genüsslich: in einer Zürcher Kinderkrippe bauten sie eine Vogelscheuche auf, derweil die zuschauenden Kinder in die Videokamera rufen: «Und das bezahlen wir von unseren Steuern?»

Das Video ist Teil der Ausstellung «die belege, les quittances, the receipts», die relax als vielteilige Gesamtinstallation auf der obersten Etage des Centre Pasquart angelegt haben. Im Flur, räumlicher und inhaltlicher Dreh- und Angelpunkt, finden sich die titelgebenden Quittungen und Belege. Säuberlich sortiert und eingeklebt, dokumentieren sie den Finanzhaushalt des Künstlerduos seit 1984. Philip Ursprung verweist in seinem Katalog-Text auf Andy Warhol und dessen obsessiven Hang zum Sammeln von Belegen aller Art. Doch während Warhols Sammeln auch ein Akt der Konservierung von Alltagsleben war, geht es RELAX vorrangig um Geld und seine Bedeutung. Das Geld, in dem sich der Wert der Kunst (und mithin des Künstlers) spiegelt. Das Geld, das im Alltag recht sorglos durch die Finger rinnen kann, wie ein Teil der Installation zeigt: Müllsäcke und Kartons voller Kassenbelege, die Kunden in Bieler Geschäft innerhalb von drei Monaten liegen liessen. Ein Obdachloser aus New York hingegen, dem man per Video in einem anderen Raum, einem anderen Teil der Schau begegnen kann, verteilt dankend Quittungen an barmherzige Spender. In verschiedenen Videos und Szenerien spielen RELAX ihr Thema durch, am Ende der Ausstellung steht der «Raum der Utopie». Zeichnungen zeigen beschuhte Füsse, die in Kothaufen treten. «L?independance n'a pas de prix» verheissen die Bilder, die von der Freiheit künden mit Sorglosigkeit oder mit Scham in die Scheisse zu treten. Denn: hineintreten muss man ohnehin. Dieser etwas holperige Scherz kann mit einigem guten Willen als Ende der Utopie verstanden werden. Im Centre Pasquart bildet er den etwas vagen Schlusspunkt einer sonst sehr spannenden, offensiven und ironischen Schau.

Bis 
30.07.2005

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