Frank Ahlgrimm in der Galerie AP4-ART

Frank Ahlgrimm · revanche, 2006, 200 x 180 cm

Frank Ahlgrimm · revanche, 2006, 200 x 180 cm

Besprechung

Die Galerie AP4-ART an der Rue du Tir zeigt neue Bilder des Deutschen Frank Ahlgrimm (*1965). Der in Köln lebende Künstler, Absolvent der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, widmet sich ausschliesslich der Malerei und der Zeichnung.

Frank Ahlgrimm in der Galerie AP4-ART

Auf das neue deutsche «Malwunder» angesprochen, das seine Kreise weit über die «Leipziger Schule» hinaus zieht, winkt Ahlgrimm ab. Ob das nicht eine Projektion sei? Zumindest sei das Thema Malerei in Deutschland nichts Neues. Gibt es doch seit den sechziger Jahren eine ungebrochene Tradition mit bekannten Namen wie Baselitz, Lüpertz, Polke, Richter usw. Wie dem auch sei, Tatsache bleibt, dass sich die Malerei in letzter Zeit im Kunsthandel grösster Beliebtheit erfreut. Manche Sammler scheinen sich wieder vermehrt nach etwas Solidem und Dauerhaftem zu sehnen, das sie im Büro oder zu Hause im Wohnzimmer an die Wand hängen können. Doch, ob Malerei, Video oder Fotografie, was zählt, ist schliesslich die Frage, ob es dem Künstler gelingt, den Zeitgeist in seinen Werken einzufangen. Frank Ahlgrimm ist einer jener Künstler, die ihr Medium nüchtern und sachlich analysieren und nach der Kompatibilität unserer von Computer und Digitaltechnik beeinflussten Sehweise mit Vorbildern aus der Kunstgeschichte suchen. Das zweiteilige Werk «Änderung der Identität während der Treibjagd», 2006, etwa besteht, ganz neo-geo, aus in Reihen angeordneten farbigen Kreisen auf grau-weiss gestreiftem Grund, die teilweise mit Wörtern wie «oropax», «junkie» oder «honnecker» überschrieben sind. Logoartige Schriftzüge, die im Kopf des Betrachters unweigerlich Assoziationen wachrufen, von Fachleuten aber sofort als Namen von real existierenden Computerviren erkannt werden. Im 200 x 180 cm grossen Gemälde «revanche», 2006, vereinigt Ahlgrimm geometrisch-abstrakte Formen und Farbfelder, Schrift und Figürliches zu einer komplexen, vielschichtigen Komposition: darin ein Kreis, gleichsam als Bild im Bild, mit einem organischen Gebilde, das ans Yin-Yang-Symbol erinnert; darüber, quer übers Bild gezogen, eine weisse, in einem kleinen Steinbock auslaufende Pinselspur. Beinahe glaubt man, in den zwei angeschnittenen, graublauen Dreiecken hinter einem breiten olivgrünen, horizontalen Balken, zwischen denen sich der Blick in eine atmosphärische Tiefe verliert, eine Berglandschaft zu erkennen. Ahlgrimm lässt aus einer Vielzahl heterogener Bildteile ein subtiles, räumliches und formales Gleichgewicht entstehen. Malerei nicht neu erfunden, aber dennoch als Beweis, dass die Leinwand eine Herausforderung und ein spannendes Experimentierfeld geblieben ist.

Bis 
28.07.2006
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
AP4-Art Schweiz Genève
Künstler/innen
Frank Ahlgrimm
Autor/innen
Marguerite Menz

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