Adrian Williams in der Galerie Voges und Partner

Adrian Williams · Banshee Piano, Intermittant Performance, Installationsansicht Galerie Voges + Partner, 2007, Frankfurt/M.

Adrian Williams · Banshee Piano, Intermittant Performance, Installationsansicht Galerie Voges + Partner, 2007, Frankfurt/M.

Besprechung

Ein Bild wie ein Traum. Eine Wohnung, menschenleer; im Musikzimmer ein Konzertflügel, aus dessen geöffnetem Deckel mit einem Mal wehmütige Klänge dringen. Zunächst kaum wahrnehmbar, schweben die Töne geisterhaft durch den Raum - doch bevor man wirklich eine Melodie erlauschen kann, ist das Instrument schon wieder verstummt.

Adrian Williams in der Galerie Voges und Partner

Bekannt geworden ist Adrian Williams (*1979) bislang vor allem mit ihren Performances: Skurrile Szenarien, in denen uns die Künstlerin - meist in selbst entworfenen Kostümen - als Geschichtenerzählerin begegnet. Auch der Titel ihrer aktuellen Schau in den Räumen der Galerie Voges und Partner scheint von einem solchen Auftritt zu sprechen. Auf der Suche nach einer Geschichte bleibt man hier jedoch zunächst allein. Weder geben die kunstvoll zu einer kryptischen Grafik zusammengeschobenen Lettern auf dem Plakat an der Wand weitere Auskunft noch jene Figur, die uns Williams als den «Zeugen» präsentiert: Dort, wo bei Konzerten sonst die Stühle für das Publikum stehen, hockt eine kleine Kanne mit Katzenkopf auf dem Parkett.
Man muss also zum «Banshee Piano» - dem einsamen Konzertflügel - zurückkehren, um dem Geheimnis des Bildes auf die Spur zu kommen. Und tatsächlich: Aus dem Keller, wo versteckt ein CD-Player steht, windet sich ein feiner Draht bis in den Klangkörper des Instruments empor. In diesem sitzt ein einzelner Lautsprecher, der die Saiten zum Schwingen bringt, sobald das Gerät mit der CD in den Autoreplay-Modus springt.
Dies zu entdecken, mindert keineswegs den Zauber der Sache - eher bietet die Erkenntnis ein höchst sinnliches Vergnügen nach der Art jener Vorführungen, wie sie noch im 19. Jahrhundert gern von Wissenschaftlern für ein breiteres Publikum inszeniert wurden: Als gelernter Instrumentenbauer beschäftigte sich der britische Physiker Charles Wheatstone, auf den Williams hier referiert, nicht nur bevorzugt mit der Erforschung des Klangs, sondern strebte stets nach der Veranschaulichung der Prinzipien, die er fand. Berühmtheit erlangte etwa sein «Kaleidophon», dessen polierte Nadeln per Lichtreflex Klangwellen sichtbar machen. Für Williams «Banshee Piano» wiederum hat seine «Enchanted Lyer» Pate gestanden, deren Saiten Wheatstone per Draht mit denen eines Flügels im Nebenraum verband: Wurde auf diesem gespielt, rührten sich synchron auch die Saiten der Leier wie von Geisterhand.
Allerdings bietet Williams «Intermittant Performance» mehr als eine Reinszenierung des historischen Experiments. Der melancholische Aufruf einer Zeit, in der spielerische Erkenntnisvermittlung noch mit grosser Selbstverständlichkeit als hohe Kunst gepflegt wurde, wird von den Akteuren in eine poetische Szenerie verwandelt, die ihre eigene geheimnisvolle Geschichte erzählt. Erhaschen lassen sich nur Fragmente, die wie die Klänge für Momente im Raum zu schweben scheinen - zurück bleibt ein Bild wie ein Traum.

Bis 
20.07.2007
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Voges + Partner Deutschland Frankfurt/M
Autor/innen
Verena Kuni
Künstler/innen
Adrian Williams

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