Carsten Nicolai im Haus Konstruktiv

Carsten Nicolai · fades, 2006, Installation in Lightproof Auditorium, Video Projektion (16:9 ratio) mist sprays sound, Grösse variabel, Courtesy Galerie Eigen + Art, Leipzig/Berlin, Foto: Uwe Walter, © ProLitteris, Zürich

Carsten Nicolai · fades, 2006, Installation in Lightproof Auditorium, Video Projektion (16:9 ratio) mist sprays sound, Grösse variabel, Courtesy Galerie Eigen + Art, Leipzig/Berlin, Foto: Uwe Walter, © ProLitteris, Zürich

Besprechung

Carsten Nicolai ist der erste Preisträger des in diesem Jahr neu geschaffenen «Zurich-Prize», der von der Versicherungsgesellschaft Zürich Schweiz und dem Haus Konstruktiv ins Leben gerufen wurde und künftig jedes Jahr vergeben werden soll.

Carsten Nicolai im Haus Konstruktiv

Klingende Lichträume empfangen die Besucher im Haus Konstruktiv. Hat man sich im ersten Stock durch einen dunklen Gang getastet, steht man unvermittelt in einem von nebligem Dunst verhangenen Raum. Nur der weisse Lichtstrahl einer Videoprojektion durchschneidet den Nebel und zeichnet sich verändernde abstrakte Strukturen auf die Wand. Das Video «fades», 2006, basiert auf computergenerierten Bildern, die komplexe mathematische Strukturen visualisieren und Modulationen von «weissem Rauschen» sichtbar werden lassen. Weisses Rauschen wird in der Regel für Audiotests verwendet, da dieser Klangteppich - analog zu Weiss - alle Töne enthält und diese sich einzeln daraus herausfiltern lassen.
Die Synthese von akustischen und visuellen Elementen ist ein ständig wiederkehrendes Thema im vielseitigen Werk Carsten Nicolais (*1965, Karl-Marx-Stadt). Bekannt geworden ist der deutsche Künstler als Musiker unter dem Pseudonym «Noto» im Bereich der sogenannten «Clicks & Cuts», einer speziellen Spielart der elektronischen Musik. Der internationale Durchbruch gelang ihm 2005 mit der Installation «syn chron» in der Berliner Neuen Nationalgalerie und mit «anti reflex» in der Frankfurter Kunsthalle Schirn. Auch dort tat er sich sowohl als Musiker als auch als Raumschöpfer hervor.
Die in den Räumen des Hauses Konstruktiv gezeigten Installationen bestechen durch eine subtile, minimalistische Ästhetik. Steht man in der Säulenhalle, die von vibrierenden und Op-artigen Lichtmustern durchpulst ist - es sind Stills aus der Projektion «fades» -, hört man ein ständiges Rauschen. Es ertönt aus dem Kabinett, das vollständig mit schalldämpfendem Schaumstoff ausgekleidet ist. Zwei Lautsprecher senden Hochfrequenz-Weisses-Rauschen. Im ganzen Raum hört man dieses Rauschen gleichmässig, ausser in der Mitte zwischen den beiden Lautsprechern, weil hier Schallwellen gegenpolig aufeinander prallen und sich so auslöschen. Akustische Phänomene prägen auch die Arbeit «static balance» mit zwei riesigen Parabolspiegeln im Erdgeschoss. Hinter den gewölbten Spiegeln, die einen elliptischen Raum beschreiben, sind Schwingungsverstärker angebracht. Form und Oberfläche der Paraboloide leiten den Ton weiter und formulieren dadurch einen akustischen Raum. Der Sound wird von den Paraboloide linear abgestrahlt. Schreitet man diese Linie gleichsam ab, ist der Sound differenziert zu hören, während er ausserhalb dieses Bereichs lediglich diffus hörbar ist. Indem Nicolai elektromagnetische Felder mit verschiedenen Sinnen erfahrbar zu machen versucht, lotet er die Möglichkeiten der Wahrnehmung aus. Obwohl er dabei immer hart die Grenze des Wahrnehmbaren streift, ermöglichen die Installationen sinnliche wie auch emotionale Erfahrungen von hochkomplexen wissenschaftlichen Versuchsanordnungen.

Bis 
31.07.2007

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