Henrik Olesen im Migros Museum

Henrik Olesen · some gay-lesbian artists and/or artists relevant to
homo-social culture born between c. 1300-1870, Detailansichten, 2007, Fotos: Stefan Korte, Courtesy Henrik Olesen, Galerie Daniel Buchholz,
Köln

Henrik Olesen · some gay-lesbian artists and/or artists relevant to
homo-social culture born between c. 1300-1870, Detailansichten, 2007, Fotos: Stefan Korte, Courtesy Henrik Olesen, Galerie Daniel Buchholz,
Köln

Hinweis

Henrik Olesen im Migros Museum

Beeindruckend ist der Fleiss und die Akribie des dänischen Künstlers Henrik Olesen (*1967, lebt und arbeitet in Berlin), der zum Thema Homosexualität in der Kunst- und Kulturgeschichte des Hochmittelalters bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts jahrelang in den Archiven gestöbert und geforscht hat. Abgesehen davon, dass er mit kontextuellen Verschiebungen die Verdrängung, Stigmatisierung und Kriminalisierung von Homosexualität thematisiert, verfolgt er nichts Geringeres als die Umdeutung der Kunstgeschichtsschreibung unter Berücksichtigung von homosexuellen Aspekten. Dazu sammelt er kleine, auf Fotopapier ausgedruckte Computerprints von Gemälden und Skulpturen und fügt sie zusammen mit Texten zu Collagen, die auf Tafeln montiert und in Vitrinen ausgelegt sind. So zeigt eine Reihe von Fotografien Szenen von Verhaftungen oder nackte Männerkörper, die, in einer Reihe aufgestellt, medizinischen Untersuchungen unterzogen werden. Eine andere Serie von Prints ist den American Dykes in Rom im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gewidmet oder einzelnen faszinierenden Biografien, etwa die der englischen Bildhauerin Anne Seymour (1741-1807), die ihre Neigung offen ausgelebt und Frauen porträtiert hat. In diese revidierte Kunstgeschichtsschreibung finden sowohl kunsthistorische Referenzen wie die surrealistischen Bilderromane von Max Ernst als auch das reduzierte Formenvokabular der Minimal und Concept Art Eingang.
Mit der Installation «Türen», 2007, - zusammen mit Judith Hopf -, hat Olesen ein bühnenartiges Ensemble entwickelt, das Begrenzungen und Zwänge auf physische Art erlebbar macht. Gesamthaft lässt das Bildmaterial erkennen, dass die homosexuellen Subkulturen den Humus der Kunst immer wieder aufgefrischt haben. Doch vermitteln die Exponate vor allem einen romantischen, gar schmachtenden Blick auf die Homosexualität und dies wohl deshalb, weil die Recherche nicht bis in die Gegenwart führt. Das ist schade, ist doch der Alltag der schwulen Subkultur alles andere als romantisch. Wer könnte das besser darstellen als Ralf König, der Chronist der Schwulenbewegung, mit seinen pointierten, frech-frischen Comix-Kurzgeschichten. Die saalfüllende Installation mit den Bildtafeln, etwas unsinnlich präsentiert, wirkt sehr didaktisch und manchmal fragt man sich, worin denn ihre künstlerische Leistung besteht?

Bis 
11.08.2007

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