Jennifer Allora & Guillermo Calzadilla in der Kunsthalle

Allora & Calzadilla · Clamor, 2006, Diverse Materialien, Live-Performance, 40 Min. Soundtrack, 6,1 x 9,15 x 3,05 m, Astrup Fearnley Collection, Oslo

Allora & Calzadilla · Clamor, 2006, Diverse Materialien, Live-Performance, 40 Min. Soundtrack, 6,1 x 9,15 x 3,05 m, Astrup Fearnley Collection, Oslo

Hinweis

Jennifer Allora & Guillermo Calzadilla in der Kunsthalle

Die Amerikanerin Jennifer Allora (*1974, Philadelphia) und der Kubaner Guillermo Calzadilla (*1971, Havanna) leben als Künstlerpaar in Puerto Rico. Der Humus ihrer künstlerischen Arbeit bildet die Geschichte von Puerto Rico als eines mit den USA assoziierten Inselstaates und ehemaligen militärischen Sperrgebiets der USA. Seit etwa sieben Jahren erarbeiten sie ortsbezogene Projekte im öffentlichen Raum und verleihen ihren Aktionen eine politische Dimension, indem sie versuchen, politische und ökonomische Kommunikationsstrukturen greifbar zu machen. Mit ihren Videoarbeiten und Installationen nehmen sie die Besucher mit auf Reisen durch politisch und sozial turbulente Gebiete. So ist der Film «Unrealizable Goals», 2007, vor dem Hintergrund der derzeitigen Diskussion um die Aufgabe der durch die U.S. Regierung aufgezwungenen pazifistischen japanischen Verfassung vom Jahre 1947 entstanden und spielt in der japanischen Stadt Kitakyushu. Dabei handelt es sich um just jene postindustrielle Stadt, die von amerikanischen Militärstrategen ursprünglich als Ground Zero für den Abwurf der zweiten Atombombe ausgewählt wurde. Jenseits des schnellen und hirnlosen Konsums zelebrieren die beiden Künstler mit rezyklierten Objekten die Kunst der Improvisation. Zum Beispiel in der Videoarbeit «Sweet glands, sweet Lands», 2006, die zu einem Rapsong die Grillade eines Schweins zeigt, das mit einer umfunktionierten Kurbelwelle eines Autos geröstet wurde.
Seit einiger Zeit beschäftigt sie das Genre der Militärmusik, und so haben sie Musikstücke aus verschiedensten Epochen und Gegenden zusammengetragen. Entstanden ist ein Musikarchiv, das unter dem Titel «Clamor», 2006, von einer hybriden Skulptur aus Bunker, Ruine und felsiger Landschaft beherbergt wird, in deren Schiessscharten Blechinstrumente positioniert sind. Sie kann auch als Bühne für Live-Auftritte fungieren und die Musiker, die in diesem Fall aus dem gesammelten Repertoire gegeneinander Kriegslieder spielen, erzeugen einen kakophonischen Musikangriff. Der militärische Weckruf des «Réveille» ist mit der grossräumigen Klang- und Lichtinstallation «Wake up», 2007, neuinterpretiert und impliziert gleichzeitig das Erwachen zu politischem Bewusstsein. Der finale Tusch ist überraschenderweise still und leise: Ein atmosphärischer Raum, der von einer mitten im Raum schwebenden tropischen Pflanze geprägt wird, die lediglich von einer LED-Arbeit von Jenny Holzer beleuchtet wird. Die Pflanze mutet vor dem technischen Ambiente und im flimmernden Licht besonders fragil an und muss, wie der Titel «Growth (Survival)», 2007, andeutet, um ihr Überleben kämpfen.

Bis 
11.08.2007

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