Nicole Eisenman in Le Plateau

Nicole Eisenman · Hamlet, 2007, Öl auf Leinwand, 208.28 x 165.1 cm, Courtesy Nicole Eisenman, Susanne Vielmetter, Los Angeles Projects

Nicole Eisenman · Hamlet, 2007, Öl auf Leinwand, 208.28 x 165.1 cm, Courtesy Nicole Eisenman, Susanne Vielmetter, Los Angeles Projects

Hinweis

Nicole Eisenman in Le Plateau

«I just want you to understand, That I'm not angry any more», sang die 1970 geborene amerikanische Songwriterin Ani Di Franco 1999. Die feministische Bewegung hat aus «heissen» politischen Kämpfen zu kühleren, nicht weniger brennenden Fragen zu Macht und Bildung des Subjekts geführt. Wie können wir handeln, so lautet nun die Frage, trotz geschlechtlich-gesellschaftlicher Determinierung? «Visuality can be considered a discourse», schreibt die niederländische Literaturwissenschaftlerin Mieke Bal. Und tatsächlich scheinen nun Bilder die Erkundung neuer Aktionsräume für eine kritische Lösung aus der Verhaftung im Geschlecht zu ermöglichen. Nicole Eisenman betreibt mit ihrer grimmig-ironischen Malerei eine Ikonografie der Formierung des (geschlechtlichen) Subjekts. Die Ausstellung in Le Plateau, in weniger wirksamen Räumen als jenen der Kunsthalle Zürich, stellt diese radikale amerikanische Position erstmals dem französischen Publikum vor. Ein Novum, kennt man hier doch vor allem die in Farbe und Duktus interessanten Arbeiten von Carole Benzaken oder Marc Desgrandchamps, die figürlich starken Leinwände von Djamel Tatah oder die abgründig inszenierten Gemälde Valerie Favres. Eine vergleichbare Breitseite in engagierter Malerei findet man in Frankreich unter der Sechziger-Generation nicht. Wie viele der kritischen Theorien ist Eisenman ein Re-Import: Sie wurde 1965 in Verdun geboren, lebt und arbeitet in New York und mag es explizit: Die beiden von ihr eigens für Le Plateau nach Louvre-Manier entwickelten, dicht mit Papierarbeiten besetzten Wände wirken wie Agitprop aus der Uni-Mensa. Man sieht viel Sex, mit stilistischen Anleihen von DaDa bis zum Comic. Die Blätter sind die «Hefe» der Gemälde: Bilder von Mythen - des Alltags, der Waren- und Pop-Kultur-Welt, der Kunstgeschichte. Verknotete, gequälte Leiber, Zitate der Kunstgeschichte von Leonardo bis Magritte und mit dem Pinsel geschundene Leinwände wenden und verrenken die Sujets, bis der unterschwellige «Diskurs» der Bildlichkeit hervortritt. Fast scheinen die Bilder zu weinen: Tränen, durch die man sehen kann, wie Bildlichkeit das Subjekt formt. Das Buster-Keaton-Gesicht, das Farb-Schillern des Anzuges und das lässig herabhängende Schwert des androgynen «Hamlet», 2007, einem der subtilsten Bilder dieser Schau, zeigt, was nach dem Zorn kommt: kampflustiger Witz, um Tränen zu lachen.

Bis 
18.08.2007
Künstler/innen
Nicole Eisenman
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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