Steven Parrino im Palais de Tokyo

Steven Parrino · La Marque Noire, Retrospektive 1981-2004, Palais de Tokyo, Foto: Marc Domage

Steven Parrino · La Marque Noire, Retrospektive 1981-2004, Palais de Tokyo, Foto: Marc Domage

Hinweis

Steven Parrino im Palais de Tokyo

Als Steven Parrino 2005 mit 47 Jahren bei einem Motorradunfall ums Leben kam, hatte er in der Kunstgeschichte ein Markenzeichen hinterlassen. «La Marque Noire», so der Titel der grossen Retrospektive, zeigt in einer sehr gut installierten Ausstellung Parrino als Vorreiter. Ein wenig Heavy Metal, ein wenig glatte schwarze Fläche, ein wenig brutale Bildzerstörung findet man heute allerorten - bei Parrino fing es an. Anders als Lucio Fontana zerstörte er nicht das Bild - er zerschlug die Malerei. Und rettete sie damit ins 21. Jahrhundert. Inspiriert von Punk-, Heavy- Metal- und Minimal-Ästhetik machte er Gewalt zum Medium des künstlerischen Aktes. Ein Kampf mit Material und Symbol, bei dem jeder Schlag auf Befreiung hofft. Die «Trashed Black Box» am Eingang der Ausstellung ist ein Kubus aus Gipspappe, in den aus dem schwarz glänzend gestrichenen Inneren Löcher geschlagen wurden. «Slow Rot», eine stickig riechende, langsam verrottende Leinwand von 1988, erinnert an Dieter Roths Vanitas-Angriffe auf das Kunstwerk. Schon 1987 ging es Parrino mit «Crowbar», einer mit dem Kuhfuss zerstörten Leinwand, um die Wiederbelebung der damals als tot erklärten Malerei. Mit anderen Mitteln: Das Werkzeug lehnt noch dekorativ im entleibten Keilrahmen. Die Retrospektive macht unter einer sezierenden Neonsonne einen kohärenten, bisweilen heute ein wenig dekorativ wirkenden Werkprozess sichtbar. Marc-Olivier Wahler, der Parrino lange Zeit begleitet hat, zeigt zudem Einflüsse und führt unter anderem mit Andy Warhols «Electric Chairs», Vito Acconcis Video «Claim Excerpts», 1971, Frank Stellas «Mas o Menos», 1964, die Geschichte der Gewalt als bildgebendes Medium vor. Der historische Kontext kontaminiert die jüngeren, von Parrino beeinflussten Arbeiten. So könnte Jutta Koethers Assemblage «female force» von 2006 ebenso 1986 entstanden sein. Wahler markiert Kunstgeschichte und dabei gelingt ihm eine grosse Schau. Als Nächster hat Anfang 2008 der sehr junge Ricard-Preisträger Loris Gréaud die Ehre.

Bis 
25.08.2007
Künstler/innen
Steven Parrino
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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