Bessie Nager

Bessie Nager · Rivington, 2006/08, Lambdaprint auf metallischem Papier, Diasec 92 x 140 cm

Bessie Nager · Rivington, 2006/08, Lambdaprint auf metallischem Papier, Diasec 92 x 140 cm

Besprechung

Man muss sich ziemlich konzentrieren, um in den nächtlichen Stadtlandschaften von Bessi Nager die einzelnen, oft unscharf reproduzierten Motive noch ausmachen zu können. Die virtuellen Cityscapes muten wie vibrierende Teppiche an und visualisieren das Datenuniversum des Hyperspace.

Bessie Nager

«Reloaded»

In den multiperspektivischen Bildräumen wirbeln Menschen, Abfallsäcke, sich im Wasser spiegelnde Lichter und Wolken durcheinander, prallen Dinge und Situationen wie Fischschwärme, Luftballons, nächtlich erleuchtete Schnellstrassen und Bauten aufeinander. Das Gefühl, in einem «Mahlstrom» von Bildern umher geschleudert zu werden, mutet recht apokalyptisch an. Inmitten der vielen Bezugspunkte ist kein fester Ort in Sicht. So ist der Betrachter aufgefordert, sich in diesem oszillierenden Kräftespiel zwischen Chaos und Ordnung selbst zu orientieren.Die vielfach unscharf reproduzierten Bildzonen legen innere Bilder oder Bildspeicher nahe, seien es Erinnerungsfetzen, Vorstellungsbilder oder Wunschträume.
Bessie Nager hat mehrere tausend Bilder aus dem Internet herunter geladen, Bildausschnitte übereinander gelagert, gesampelt und miteinander verknüpft. Wie in einer Collage interferieren hier die Ebenen, doch ergibt sich daraus nicht nur ein Bilderteppich, sondern es öffnen sich da und dort auch unauslotbare Bildtiefen. Einerseits widerspiegeln die virtuellen Cityscapes unser kollektives Gedächtnis, geben unsere Vorstellung der globalisierten Metropole wieder und schaffen Metaphern einer unübersichtlichen,oft entfremdetenWelt.Andererseits versinnbildlichen sie auch den von WilliamGibson in der Romantrilogie «Neuromancer» gemachten Vorschlag, das Datenuniversum nach dem Muster von Metropolen zu denken. Nahe liegend, wenn man bedenkt, dass das Umherschweifen in einer Stadt den Bewegungen in Computer-Netzwerken gleicht. So wird der Weg der Benutzer mit dem System der australischen «Songlines» verglichen, das vor allem durch das Buch «Traumpfade» des britischen Schriftstellers Bruce Chatwin bekannt geworden ist. Es berichtet davon, dass die Aborigines ihr Land als ein verschachteltes Netz von Pfaden oder Durchgängen sahen. Auch wenn sich Bessie Nager sehr mit den Phänomenen des Hyperraums beschäftigt, bringt sie stets ganz physische Dimensionen in ihre Kunst ein. So ist der Ausstellungsraum mit einer Ansammlung von Boxen und Tramskulpturen möbliert, Hinweis darauf, dass das Virtuelle nur ein Teilbereich unserer Welt ist. Die Skulpturen sind Überbleibsel jenes Trams, das Bessie Nager nachbauen liess und vor zwei Jahren im Helmhaus Zürich präsentierte.Dortwar auch ihr «RoadMovie» zu sehen, ein Video, das aus dem Fenster eines Zürcher Trams die vorbei fliegenden Bauten zeigte.

Bis 
11.07.2008
Autor/innen
Dominique von Burg
Künstler/innen
Bessie Nager

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