Peter Doig

Peter Doig · Grand Riviere 2001/02, Ausstellungsansicht Musée d'art moderne de la ville de Paris. Foto: Sennewald

Peter Doig · Grand Riviere 2001/02, Ausstellungsansicht Musée d'art moderne de la ville de Paris. Foto: Sennewald

Hinweis

Peter Doig

Kreischend stürzt der Lastzug in den Abgrund, sich aufbäumend, bevor die Felsen ihn zerschmettern. 1971 endet «Duel», Steven Spielbergs erster Kinofilm, die Geschichte eines LKWs, der einen Autofahrer verfolgt, mit dem Tod des Trucks - den Trucker hat man nie gesehen. Das Kreischen am Schluss ist dasselbe Dinosaurier-Brüllen, das später das Ende des «weißen Hais» begleiten wird. Filme sind aus diversen Fragmenten montierte Stimmungen, Imaginationen des bewegten Objekts. Peter Doig legt das Lichtbild in Öl: «Ein Gemälde ist nicht fixiert, unbeweglich wie eine Fotografie? Malen bedeutet, sich auf einer Ober- fläche zu bewegen, sich darin zu verlieren.» Die Farbe auf den Leinwänden des 49-jährigen Schotten, der in Trinidad und Kanada aufwuchs, scheint in ständiger Bewegung. «Hitch Hiker», 1989-90, erinnert am Eingang zu seiner ersten grossen Ausstellung in Paris an Spielbergs «Duel».Nicht,weil darauf ein Lastzug vor zwielichtigen Wäldern zu sehen ist, sondern weil man den Trucker nicht sieht. Doigs Landschaften entstehen im Atelier, sind wie ein Film Palimpsest aus Bildern verschiedenster Provenienz. «Milky Way», 1989-90, ist ebenso Munchesker Trauerblick aufs All wie Reflex eines bekannten Schokoriegels. Verblüffend sind die Parallelen zu aktueller französischer Malerei, zu Marc Desgrandchamps mondänen, legeren Erzählungen oder zu Valerie Favres mythischen Szenen. Auch die Franzosen beleihen das Kinobild. Ihre Ironie ist bei Doig Melancholie. Seine Gemälde, bis zu dem unheimlichen «Dark Girl», 2004, erarbeiten Stimmung aus dem Material der Farbe. Danach verliert Doig diese Spur,wird leichter, fast ungenau: Symbolische Formspiele statt Spuren des Lichtbildes, die noch «White Canoe», 1991, seine Aura gaben. 2007 wurde es als das teuerste je von einem lebenden Künstler verkaufte Bild von Sotheby's für rund 8 Mio. Euro versteigert. Bestimmt auch der Markt nie die Bedeutung der Kunst, in ihrem Wert täuscht er sich bisweilen nicht.

Bis 
06.09.2008

Katalog mit Beiträgen von u.a. Judith Nesbitt, Chris Ofill, Verlag PARIS Musées

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