«Superdome»

Daniel Firman · Würsa (à 18.000 km de la Terre), 2008, Ausstellungsansicht Superdome, Palais de Tokyo. Foto: Sennewald

Daniel Firman · Würsa (à 18.000 km de la Terre), 2008, Ausstellungsansicht Superdome, Palais de Tokyo. Foto: Sennewald

Hinweis

«Superdome»

«Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine «ungeheure Warensammlung» », schreibt Karl Marx im ersten Satz des «Kapital». Guy Debord recycelte den Satz und brachte eine «ungeheure Spektakelsammlung» ein. Der Leitsatz zu Marc-Olivier Wahlers neuester Ausstellungsregie könnte lauten: Das Sehen der Gesellschaften, in welchen eine ästhetisierte Wahrnehmungsweise herrscht, erscheint als ungeheure Müllsammlung. Im Spektakel seiner Ausstellung schwimmt das Publikum in den Resultaten eines multiplen ästhetischen Verdauungsprozesses. Toll,wie akrobatisch Daniel Firmans Elefant «Würsa» auf dem Rüssel stehen kann.Wir staunen, lesen - vielleicht - dazu, dass er es auf einem fernen, kleinen Planeten wirklich könnte. Ein enormer Knall erschreckt uns zu Tode. Das war eine auf 600 km/h beschleunigte leere Bierflasche, die auf einer Stahlplatte zerschellte. Der 41-jährige ehemalige Ingenieur Arcangelo Sassolino hat die Kanone ersonnen, um «einen gespannten Zustand der Dinge» zu erzeugen,wie er sagt. Angespannt sind wir jetzt allerdings:Wer weiss,wann der nächste Schuss fällt. Stattdessen brummt es dunkel und mit viel Computerzauber aus Fabien Giraud und Raphaël Sibonis 300 Darth Vader-Masken. Derweil sinnt Jonathan Monk mit einer Zwillingsausstellung (erstmalig eine Kooperation mit dem benachbarten Musée d'art moderne de la ville de Paris) fragmentarisch über Zeitläufe. Christoph Büchels Arbeit «Dump», ein Saal voller Bauabfälle, Zeitschriften, Holz, Blech schliesslich treibt die Kunst- Institution an eine Grenze: Zur Vernissage ist sie aus Sicherheitsgründen gesperrt. Der Müll, der Schock und die Bedrohung sind Leitmotive des «Superdome», der auf dem Plakat in seinem Zustand nach dem Orkan Katrina gezeigt wird: ein Riesenstadion voll Müll. Was als Beginn eines kritischen Nachdenkens über die Bedingungen der Möglichkeit des Sehens (und Seins) in einer nurmehr durch Bilder und Vorstellungen zugänglichen Konsumwelt dienen könnte - in Paris bleibt es Recycling-Spektakel.

Bis 
23.08.2008

Werbung