Bernard Lamarche-Vadel

Jean-Olivier Hucleux · Bernard Lamarche-Vadel, 1988, Bleistift auf Papier. © ProLitteris

Jean-Olivier Hucleux · Bernard Lamarche-Vadel, 1988, Bleistift auf Papier. © ProLitteris

Hinweis

Bernard Lamarche-Vadel

Der Kritiker ist Subjekt der Kunst; so Bernard Lamarche-Vadel (1949-2000), Romancier, Herausgeber, Sammler und Kurator in den Achtziger- und Neunzigerjahren. Er formte und ihn formte deren symbolische, politische, ökonomische Macht. Lamarche-Vadels Auge war gefrässig, unstillbar, stechend. Es verschlang Interviewpartner, Kunstwerke, Widersacher. Zur gleichnamigen Ausstellung «Was ist französische Kunst?» 1986 schrieb er: «Ja, die Kunst muss zuerst gegen die Kunst arbeiten, das ist die einzige Weise, um in der Kunst zu sein.» Statt für ein kohärentes Programm engagierte er sich für höchst unterschiedliche Positionen. Mehr als 250 Werke, Schlüsseltexte, Dokumentationen und Porträts machen sein Begehren - leider nur in Französisch - nachvollziehbar. «Im Rahmen der Subjektivation», schreibt Judith Butler, «ist Unterordnung der Preis der Existenz.» Lamarche-Vadel ordnete sich nicht unter, schrieb sich durch die Kunst hindurch, erkannte früh deren Aktien-Potenzial, kaufte und verkaufte - und bedauerte später, was er angetrieben hatte. Die Ausstellung lehrt, den «Preis der Existenz» zu bestimmen und zu verhandeln. Dies muss der Gegenstand heutiger Kunstkritik sein, will sie nicht im promotionellen Selbstgespräch versinken. «Der denkende Mensch» steht auf Beuys' Tafel am Eingang; «das ist doch alles Scheisse» steht rot rechts darunter.

Bis 
05.09.2009

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