The Making of Art

Louise Lawler · Big, 2002/03, Cibachrome, 134 x 118,1 cm. Courtesy Kunsthaus Zürich

Louise Lawler · Big, 2002/03, Cibachrome, 134 x 118,1 cm. Courtesy Kunsthaus Zürich

Besprechung

Eine einfache Bettstatt. Das Leinen verrutscht, zwischen Decken und Kissenbergen ein zerzauster Schopf. Nach fieberhafter Produktion im Atelier schaut die Szene auf dem Foto nicht gerade aus. Doch der Eindruck täuscht: Hier wird nicht Pause, sondern Kunst gemacht.

The Making of Art

Die Serie kleinformatiger Schwarz-Weiss-Aufnahmen aus dem Jahr 1978, auf denen man Mladen Stilinović schlafen, dösen und Löcher in die Luft starren sieht, bietet einen denkbar guten Einstieg ins Thema. Einerseits zitiert sie ein klassisches Künstlerbild der Moderne: «Der Dichter arbeitet» soll auf einem Schild an der Schlafzimmertür des französischen Poeten Saint-Pol-Roux gestanden haben. Zum anderen verweist sie auf die Verweigerungshaltung, die Stilinović in seinem zwanzig Jahre später verfassten Manifest «The Praise of Laziness» angesichts der aktuellen Gemengelage formuliert: Wer im Betrieb erfolgreich bestehen will, muss in der Regel recht wach sein und fleissig arbeiten. Nicht nur an seiner Kunst - sondern auch an der Kunst, sich zu positionieren.
Diese Spielregel hat schon früh zur Ausbildung eines eigenen Genres geführt. Spätestens ab den Sechzigerjahren hat mit der zunehmenden institutionellen Präsenz zeitgenössischer Kunst und der Ausbildung ihres Marktes auch die Beschäftigung mit den gesellschaftlichen Spielregeln deutlich an Fahrt gewonnen und sich in diesem Zuge zunehmend ausdifferenziert. Wer - wie die Ausstellung in der Schirn - einen konzentrierten Überblick über diese Entwicklung geben will, kann zwar aus dem Füllhorn schöpfen. Umso mehr bedarf es jedoch klarer Akzente.
In Frankfurt fiel die Entscheidung für eine solide Mixtur aus bekannten Positionen unterschiedlicher Generationen. Neben Klassikern wie John Baldessari, Raymond Pettibon, Fischli und Weiss stehen dabei nicht nur jüngere Beiträge von Christian Jankowski, Jonathan Monk und den Chicks on Speed, sondern - einige wenige - ältere wie aktuelle Arbeiten von mehrheitlich ebenso prominenten KünstlerInnen aus Osteuropa, dem Nahen Osten, Asien und Afrika wie Dan Perjovschi, Nedko Solakov, Ai Weiwei und Chéri Samba.
Sucht man in dieser denkbar bunten Mischung nach einem kleinsten gemeinsamen Nenner, so lässt sich sogar ein unausgesprochenes Leitmotiv der Schau ausmachen: Humor - in allen seinen Schattierungen, die vom augenzwinkernden Kommentar über poetische Clownerie bis zum bitteren Zynismus reichen - ist vielleicht die einzige Möglichkeit, ein derart existentielles Thema zu verhandeln. An den Machtverhältnissen dürfte das freilich nicht viel ändern.

Bis 
29.08.2009

Schirn Kunsthalle Frankfurt, bis 30.8. «The Making of Art», Hg. Martina Weinhardt u. Max Hollein. Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, 2009

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Schirn Kunsthalle Deutschland Frankfurt/M
Autor/innen
Verena Kuni

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