Olafur Eliasson, «The moving museum»

Olafur Eliasson · The body as brain, 2009, Körperraumzeichnung

Olafur Eliasson · The body as brain, 2009, Körperraumzeichnung

Besprechung

Für die letzte Etappe der mehrjährigen Kooperation «Projekt Sammlung» verlegt der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson nicht nur eine alternative Innenarchitektur im Kunsthaus Zug. Er verlangt auch, dass Museumsarchitektur an sich neu gedacht wird. Oder besser: Neu ertastet wird.

Olafur Eliasson, «The moving museum»

Nicht gerade das herkömmlichste Baumaterial: Im Kunsthaus Zug entsteht gerade ein Gebäude aus Handbewegungen. «Für diese Körperraumzeichnungen habe ich zwei Tänzern, die eine spezielle Art von Street Dance mit den Händen praktizieren, ein Gebäude beschrieben. Die übersetzten dieses dann simultan in Handbewegungen», erklärt Olafur Eliasson (*1967). In rasanter Choreographie, die immer wieder auch spielerisch-flatternd wird, bauen die beiden Händepaare in einem Video gut erkennbar Wände, Treppen und Gänge. Während diese Arbeit vielleicht eher den Grundriss eines handgemachten Bauwerks darstellt, liefert eine andere quasi den Gebäudeschnitt dazu: Auf eine durchscheinende Wand wird der Schatten eines Tänzers geworfen, der nun mit ganzem Körpereinsatz weiterbaut. Immer wieder werden rechte Winkel in die Luftgebäude gesetzt, die an die Winkel in den temporär ins Kunsthaus eingebauten, engen Gänge erinnern. Durch das Gangsystem - abgedunkelte Durchgangszonen zwischen den Ausstellungsräumen - werden denn auch die Besucher in die übergreifende Gebäudechoreographie hineinkanalisiert.
Mit seinem händischen Architekturbegriff greift Eliasson auch in die Diskussion um einen möglichen Neubau des Zuger Kunsthauses ein: Durch Einbezug verschiedener Künstler soll mit einem solchen auch die architektonische Kategorie des Museums hinterfragt werden. Sein langjähriger Umgang mit dem Haus - 2005/2006 hat er es durch Umleiten des nahen Burgbachs wasserdurchlässig gemacht, 2007/2008 mit tonnenweise Lava quasi von innen nach aussen gestülpt - qualifiziert sich Eliasson als idealer Partner für solche Überlegungen. Zumal er nun auch noch eine Naturlichtstudie für den Standort Zug nachliefert: An vier Tagen in vier Jahreszeiten hat er einen Landschaftsausschnitt in der Umgebung mit einer Kadenz von 10 Minuten fotografiert. Die im Untergeschoss aneinandergereihten Sequenzen illustrieren die Unberechenbarkeit des Lichts, das sich innerhalb von zehn Minuten komplett verändern kann. Das konstante Gegenstück dazu bietet dann die Arbeit «Analemma for Kunsthaus Zug», 2009, mit der Eliasson den berechenbaren Lauf der Sonne über Zug ein Jahr lang fotografisch festgehalten hat.
Unter diesen Voraussetzungen muten Eliassons gestische Bauten auch wie Trockenübungen für grössere Architekturvorhaben an. Hoffentlich kann er dann tatsächlich auch selbst Hand anlegen, wenn der reale Neubau ansteht.

Bis 
15.08.2009

Publikation zu «Projekt Sammlung» in Vorbereitung

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