Thomas Galler, «Walking through Baghdad...»

Thomas Galler · Persona, 2009, Blow-ups von Zeitungs- und Magazinbildern, Serie von zehn Diptychen, C-Prints, je 60 x 45 cm

Thomas Galler · Persona, 2009, Blow-ups von Zeitungs- und Magazinbildern, Serie von zehn Diptychen, C-Prints, je 60 x 45 cm

Besprechung

Anlässlich der Verleihung des Manor Kunstpreises zeigt das Aargauer Kunsthaus einen Überblick über Thomas Gallers Werk. Es verlangt bisweilen forsch, dass wir uns der politischen Realität stellen, überzeugt aber am meisten, wo es subtiler mit den Themen Krieg und Waffengewalt umgeht.

Thomas Galler, «Walking through Baghdad...»

«Shock and Awe» hiess die von den US-Streitkräften im Irak angewandte Taktik; Schockstrategien gibt es aber auch in der Kunst: Wenn etwa Thomas Hirschhorn grässliche Kriegsbilder neben Modeaufnahmen stellt. Obwohl auch Thomas Galler (*1970) für seine Arbeit «Persona», 2009, Pressebilder aus Kriegsgebieten neben Fashionfotos hängt, geht er weniger brachial mit dem Thema um. In einer Installation im Aargauer Kunsthaus etwa: Fein säuberlich hat er hier Unmengen von ausgebrannten Feuerwerkskörpern aufgereiht - stummes Zeugnis eines nächtlichen Geballers. Doch weiterführende Gedanken drängen sich nicht auf. Im Raum daneben zeigt das Video «Invader» von 2009, wie sich die Kamera mit Hilfe eines Nachtsichtgeräts ihren Weg durch die Sammlungspräsentation im Obergeschoss des Museums sucht. Das erinnert wieder an militärische Durchsuchungsmanöver; gleichzeitig beantwortet es aber auch so kindliche Fragen wie die, ob ein Hodler-Portrait auch in dunkler Nacht die Augen geöffnet hat.
Weniger augenöffnend wirkt die unspezifische, allzu offene Waffenbildsammlung «Weapons Collection», 2002-2008. Der Künstler Peter Piller hat die Allgegenwart von Waffen mit seinen gesammelten Fotos «schiessender Mädchen» in einen passgenaueren Rahmen gesetzt. Für «Inches», 2005, wiederum hat Galler über die Bildebene eines Kriegsfilmes die Tonspur eines Football-Dramas gelegt. Klar, die Rede, die eigentlich von Sport handeln sollte, strotzt vor Kriegsmetaphern; brauchen wir aber noch den direkten Vergleich mit einer zweiten idealisierenden Hollywood-Produktion um uns diese Perversität vollends klar zu machen? Wenn erklären, dann eher wie Lenka Clayton mit ihrem momentan in der Shedhalle gezeigten Video, für das sie Bushs Irak-Rede von 2002 alphabetisch aufgeschlüsselt zusammenschneidet; nur schon die Anzahl der Erwähnungen von Wörtern wie «Security» spricht Bände.
Man darf selbstverständlich nie vergessen, dass Waffengewalt und Krieg Ungeheuerlichkeiten ohne Vergleich sind, und es ist bewundernswert, wenn Künstler sich diesem Thema verschreiben. Während aber für andere «Shock and Awe» die beste künstlerische Strategie sein mag, sind Thomas Gallers Arbeiten dann am stärksten, wenn in diesen nicht plakativ geschossen wird.

Bis 
07.08.2009

Aargauer Kunsthaus, Aarau, bis 9.8., Katalog bei edition finkThomas Galler, Erich Weiss, Bernhard Bischoff&Partner, Bern, bis 8.8.

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