Innen Stadt Aussen

Olafur Eliasson · Mikroskop, 2010, Gerüst,
Spiegelfolie, Aluminium 17,7 x 18,5 x 27,1 m. Foto: Jens Ziehe

Olafur Eliasson · Mikroskop, 2010, Gerüst,
Spiegelfolie, Aluminium 17,7 x 18,5 x 27,1 m. Foto: Jens Ziehe

Olafur Eliasson in Zusammenarbeit mit Einar Thorsteinn, Model room, 2003, Prototypen, Masse variabel. Courtesy neugerriemschneider, Berlin/Tanya Bonakdar, NY. Foto: Jens Ziehe

Olafur Eliasson in Zusammenarbeit mit Einar Thorsteinn, Model room, 2003, Prototypen, Masse variabel. Courtesy neugerriemschneider, Berlin/Tanya Bonakdar, NY. Foto: Jens Ziehe

Hinweis

Innen Stadt Aussen

Er ist einer jener Künstler, die im kreativen Humus Nachwende-Berlins «gross» geworden sind, aber erst über den Umweg über das Ausland institutionelle Anerkennung in ihrer Wahlheimat gefunden haben. Wie Thomas Demand, der vor wenigen Monaten in der Neuen Nationalgalerie gezeigt wurde, wird nun auch dem dänisch-isländischen Künstler Olafur Eliasson (*1967, Kopenhagen) diese längst überfällige Ehre zuteil. Nach gefeierten Ausstellungen in Venedig, London und New York ist sein Werk prominent im Martin-Gro­pius-Bau zu sehen.
«Innen Stadt Aussen» - der Titel proklamiert sowohl den Bezug zu Berlin als auch die Verschränkung städtischer Innen- wie Aussenräume. Im Eingang der von Daniel Birnbaum kuratierten Ausstellung liegen Granitplatten, wie sie seit der Kaiserzeit die Berliner Bürgersteige pflastern. Präzise abgestimmte Licht- und Spiegeleffekte spalten den Schatten des Betrachters im weiteren Verlauf prismatisch auf und geleiten in einen Raum, der einen Teil der reich verzierten Fassade des ehemaligen Kunstgewerbemuseums in den Ausstellungsraum holt.
Diese Art des Trompe-l'oeil setzt sich beim Betreten des Lichthofs fort, der vollkommen mit Spiegelfolie ausgekleidet ist und nur Boden und Oberlicht freilässt: Der Besucher steht in einem riesenhaften kristallartigen Kaleidoskop, in dem sich die bleiverglasten Scheiben rundherum vervielfachen. Der Effekt ist überwältigend und ändert sich je nach Lichteinfall und Tageszeit. Ähnlich suggestiv wirkt der verdunkelte Raum, aus dem platschende Geräusche dringen. Silbrige Blitze zucken stroboskopartig auf, während ein sich drehender Schlauch an der Decke einen Strahl Wasser in rotierende Bewegungen versetzt.
Welche Recherchen und Experimente diesen Inszenierungen vorausgehen, dokumentieren zahlreiche Modelle, anhand derer Eliasson und seine Mitarbeiter die verschiedenen räumlichen Strukturen, Lichtbrechungen und Spiegeleffekte erarbeitet haben. So schlicht und selbstverständlich, wie sie auf naturwissenschaftlichen Gesetzen beruhen, so eindrucksvoll und gar nicht mehr selbstverständlich ist ihre ästhetische Wirkung, wenn bspw. die Kamera einer Spiegelfläche folgt, die auf der Ladefläche eines Lieferwagens quer durch Berlin fährt: Die vertraute Umgebung erscheint aus ungewohnter Perspektive noch einmal - neu.

Bis 
08.08.2010

sowie an diversen anderen Orten der Stadt; mit Katalog

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Olafur Eliasson 28.04.201009.08.2010 Ausstellung Berlin
Deutschland
DE
Autor/innen
Miriam Wiesel

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