Simply Video

Yves Netzhammer · Ausstellungsansicht Kunstmuseum Stuttgart 2010

Yves Netzhammer · Ausstellungsansicht Kunstmuseum Stuttgart 2010

Besprechung

Weil Stuttgart im Süden Deutschlands liegt, beschwört es immer wieder sein fast schon mediterranes Flair. Allein, das Meer fehlt. Das Kunstmuseum zeigt, wie es sein könnte. Dort sind derzeit Diana Thaters «Delphine» zu sehen: Unterwasseraufnahmen der Meeressäuger, welche die Besucher umspielen.

Simply Video

Diana Thaters Arbeit «Delphine» von 1999 bildet das markante Zentrum der Ausstellung «Simply Video» - ein Gastspiel der Kunsthalle Bremen, die zehn Videoinstallationen nach Stuttgart geschickt hat. Dass es sich bei den ausgestellten Arbeiten «simply» um Videos handelt, ist schlichtweg untertrieben. Denn tatsächlich bieten sie einen ausgesuchten Querschnitt zur Videokunst.
Beginnt die Schau mit einer Arbeit des Videopioniers Peter Campus von 1974/75 mit dem anagrammatischen Titel «mem». Die Installation aus einem Lichtkegel, der schräg auf eine Wand projiziert wird, lässt Ursache und Wirkung, Motiv und Bild, Anfang und Ende nahtlos ineinander übergehen. Mehr als dreissig Jahre später kehrt in Jon Kesslers Arbeit «Random Acts of Senseless Violence» das technische Verfahren des geschlossenen Zirkels wieder - hier jedoch als tautologisches Muster, das im Hintergrund eines ikonischen Gemäldes von Edward Hopper Bedeutung stiftet und ausradiert. William Kentridges «Felix in Exile», 1994, besticht nicht nur durch seine besondere erzählerische Form, sondern auch durch eine aussergewöhnliche Präsentation: Die Videobilder drehen sich auf einer Scheibe und werden in einem zentrierten Zylinder zu einem 360-Grad-Panorama gespiegelt.
Während die genannten Künstler in ihren Arbeiten das mediale und formale Experiment suchen, setzt sich Clemens von Wedemeyer mit der Autorität und Glaubwürdigkeit des Films auseinander: Seine Arbeit «Otjesd» (dt.: Weggang) aus dem Jahr 2005 schildert die Situation ausreisewilliger russischer Bürger, die dem kafkaesken Ämterlauf ihrer Visa-Anträge hilflos ausgeliefert sind. Von Wedemeyer inszeniert Drehbuch und Bilder nach allen Regeln der Filmkunst, zeigt aber parallel dazu ein «Making of», das die Autorität des Films gezielt unterwandert.
Das Obergeschoss des Kunstmuseums gehört ganz dem Schweizer Künstler Yves Netzhammer. Auf 400 Quadratmetern präsentiert er ein digitales Bühnenstück über «die Anordnungsweise zweier Gegenteile bei der Erzeugung ihres Berührungsmaximums». Seine vollständig computergenerierten Filme passt er in piktogrammartige Zeichnungen ein, die Akteure sind animierte Gliederpuppen, deren errechnete Körper alles andere als kontrollierte oder kalkulierbare Bewegungen vollziehen. Scheinbar endlos wiederholen sie Handlungen und selbstzerstörerische Fallmuster, die in ein kollektives Wasserballett zuckender Körper münden. Ihr «Berührungsmaximum» ist äusserst gering, ihre Wirkung grandios.

Bis 
21.08.2010
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Simply Video 08.05.201022.08.2010 Ausstellung Stuttgart
Deutschland
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