Klöntal-Triennale - Von Ringkämpfen, Tanz- und Denkräumen

Hannah Weinberger · Untitled, 2013, Klangsteine auf einer Wiese direkt beim Gasthaus Richisau

Hannah Weinberger · Untitled, 2013, Klangsteine auf einer Wiese direkt beim Gasthaus Richisau

Jerszy Seymour · Extra National Assembly #1, 2014, Holzarchitektur. Fotos: Brita Polzer

Jerszy Seymour · Extra National Assembly #1, 2014, Holzarchitektur. Fotos: Brita Polzer

Besprechung

Im Glarner Kunsthaus, auf 472 Meter Höhe, und im Klöntal, auf etwa 1000 Meter Höhe, findet die erste Klöntal-Triennale statt. Sie schlägt den Bogen von «einem der schönsten Ausstellungshäuser der Schweiz» zum engen Hochtal, das einen türkisfarbenen See, viel Gestein und einige Wasserfälle zu bieten hat.

Klöntal-Triennale - Von Ringkämpfen, Tanz- und Denkräumen

Die Reisläuferei war Jahrhunderte hindurch die Hauptverdienstquelle der Glarner Bevölkerung, später wurden die Spinnerei und die fabrikmäs­sig betriebene Weberei wichtig. Früh industrialisiert, ist der Kanton heute der am stärksten industrialisierte der Schweiz. Die Klöntal-Triennale knüpft weniger an diese ökonomischen Hintergründe an, denn an den frei von wirtschaftlichen Zwängen imaginierten Landschaftsraum, dessen Zauber den Alltag vergessen macht. Bühnen und Plattformen werden vorgestellt, auf denen Magie und Mystik aufscheinen und alternative Lebensentwürfe erprobt werden können - womit sich die Triennale doch ein wenig auf den Spuren der Kantonsgeschichte befindet, denn das Durchspielen alltagsferner Haltungen geht häufig mit dem Einsatz von Stoffen und Textilien einher.
Im Kunsthaus werden unterschiedliche Positionen gewinnbringend gegenübergestellt: Hier das deftig-dumpfe, gleichsam archaische Ringen oder «Schwingen», von zwei Mannsbildern - ­Rico Scaglioloa (*1985) und Michael Meier (*1982) - auf strotzender Wiese im Klöntal durchgeführt und im Kunsthaus als Video gezeigt. Da die vielschichtig feinen, vom Tanz abgeleiteten Bewegungsabstraktionen der israelischen Choreografin Noa Eshkol (1924-2007). Im ersten Stock schauen sich zwei kleine, wunderbar ätherische Bildchen von Otto Meyer-Amden (1885-1933) den Film ‹I Will Be Last›, 2009, von Kai Althoff (*1966) an, eine seltsame, an Rudolf von Laban und wohl auch Shakespeare erinnernde tänzerisch-irre Gruppendynamik. Im Keller sind die interdisziplinären Ansätze der Honey-Suckle Company zu sehen, einer künstlerisch-spirituellen Gemeinschaft, die von Kleidung bis Filmen alles selber machte.
Viel weiter oben und unter freiem Himmel lässt Hannah Weinberger (*1988) die Gegend verzaubernde, zurückhaltend-sphärische Melodien aus Steinen erklingen. Und am höchsten Punkt der Triennale hat der Berliner Designer Jerszy Seymour (*1968) einen zum umgebenden Grün komplementären, rotgestreiften und ekstatischen Raum gebaut, auf Stelzen und bis auf eine Einstiegsluke rundum verschlossen. Nur durch die Ritzen der delirisch-einhüllenden Bretterwände kann man nach aussen schauen. Ein «alternativer Denkraum» soll dieses abhebende Ufo sein, mit «fiktiver, planetarischer und globaler statt nationalstaatlicher Orientierung». Kuratorinnen sind Alexandra Blättler und Sabine Rusterholz, weitere Künstler/innen sind u.a. Stefan Burger, Maria Loboda, Christian Philipp Müller, David Renggli.

Bis 
13.09.2014
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Klöntal Triennale 2014 (im Klöntal) 25.05.201410.08.2014 Grossausstellung/Festival Glarus
Schweiz
CH
Autor/innen
Brita Polzer

Werbung