Jan Dibbets

Gustave Le Gray · Effet de soleil dans les nuages - Océan, 1856-57. Foto: J.M. Protte

Gustave Le Gray · Effet de soleil dans les nuages - Océan, 1856-57. Foto: J.M. Protte

NASA, Viking Lander 1, First Colour Photo Taken on Mars, 21 Juillet 1976, 61 x 69,9 x 0,5 cm, Courtesy Daniel Blau, München

NASA, Viking Lander 1, First Colour Photo Taken on Mars, 21 Juillet 1976, 61 x 69,9 x 0,5 cm, Courtesy Daniel Blau, München

Hinweis

Jan Dibbets

Blinde sehen anders: ohne Horizont. Die magische Linie besetzt das Blickfeld der Sehenden. Trennt Himmel und Erde, schneidet das Bild entzwei, territorialisiert, als Niemandsland des Sehens, als Blickfeld. Horizont entfaltet als Grenze zwingende Kraft, lässt glauben, zu sehen, was erst der vom Bild geformte Blick zu artifizieller Realität macht: Landschaft. Jan Dibbets, Künstler mit konzeptuellen wie romantischen Zügen, bekannt durch drei documenta-Teilnahmen und das Lagerfeuer, das er in Gerry Schums Kunst-TV 1969 über den WDR ausstrahlen liess, weiss um die bildmächtige Wirkung dieser Linie. Bereits 2010 zeigte das Musée d’art moderne de la ville de Paris ‹Horizons›. Fotomontagen aus Meeres- und Weidekanten, mal in gerader, mal in sich biegender Linie, das rechteckige Format zu geometrischen Mustern formend. Jetzt gibt das Museum dem Niederländer Raum, um seine Vorbilder zu zeigen: Gustave Le Gray war der Erste, der künstliche Horizonte für stimmungsvolle Marine-Szenen in Schwarz-Weiss nutzte. Dibbets sortiert aus der Sammlung des Museums eine Historie zwischen Fotografiegeschichte, künstlerischer Aufarbeitung des Mediums und Autobiografie. Eadweard Muybridges Studien «tierischer Bewegung» werden als Bildner konzeptuellen Sehens wahrnehmbar. Chronofotografen wie er und Étienne-Jules Marey haben für Dibbets den Minimalismus vorbereitet. In der Ausstellung enthüllen Muybridges Bilder die dem scheinbar sachlich Konzeptuellen zugrunde liegende Faszination am Begehren, am hungrigen Auge und am Imaginären, das der Blick nährt, wenn er über nackte Körper im Sprung gleitet und jeden Abschnitt auskostet. Entlang Wahlverwandter wie Bruce Nauman/Man Ray, Michael Snow/William Anastasi, Meret Oppenheim/Thomas Ruff durchläuft die Horizontlinie die ganze Ausstellung. Mal als roter Faden, mal als Spur, Wissenschaft mit Kunst verknüpfend. Fotopionier Nadar war Physiker, Louis Daguerre Dekorateur – eine Verwandtschaft von Wissen und Ästhetik, die Dibbets darlegt. Abstraktes Denken und wissenschaftliches Bilden: Die Urkombination macht Sehen, so die These des ehemaligen Professors an der Düsseldorfer Akademie. Fotografie als Horizont von Besetzung und Beschreibung, Bestimmung und Begleitung dessen, was heute scheinbar nur durch Bilder noch erkennbar ist. Am Ende des Parcours versprechen Seth Price oder Kelley Walker eine Rückkehr zum Objekt – hinter dem Horizont der Bilder.

Bis 
17.07.2016
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Jan Dibbets 25.03.201617.07.2016 Ausstellung Paris
Frankreich
FR
Künstler/innen
Jan Dibbets
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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