Balthus

Balthus · Odalisque allongée, 1998/99, Öl
auf Leinwand, 224,8x229,9 cm ©ProLitteris.
Foto: Christie's Images/Bridgeman Images

Balthus · Odalisque allongée, 1998/99, Öl
auf Leinwand, 224,8x229,9 cm ©ProLitteris.
Foto: Christie's Images/Bridgeman Images

Balthus · Le Salon, 1941, Studie, Öl auf Leinwand, 65,1x81 cm, Sammlung Harumi Klossowska de Rola ©ProLitteris, Courtesy Gagosian Gallery, Genf

Balthus · Le Salon, 1941, Studie, Öl auf Leinwand, 65,1x81 cm, Sammlung Harumi Klossowska de Rola ©ProLitteris, Courtesy Gagosian Gallery, Genf

Hinweis

Balthus

Gewisse Grössen der Schweizer Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts wie Giacometti oder Hodler sind seit Jahren fast inflationär, zudem oft in vollgestopften Ausstellungen zu sehen, was selbst Genies etwas abflachen und die Frage aufkommen lässt, ob diese Frenesie wirklich nur der Unerschöpflichkeit ihrer Werke geschuldet ist. Balthus dagegen hat in seiner Schweizer Wahlheimat, die nur wenige Gemälde in öffentlichen Sammlungen von ihm auszuweisen hat, etwas von seinem Geheimnis bewahrt. Die Ausstellung in der Gagosian Gallery befriedigt so zunächst echte Sehnsüchte, dem Maler wieder einmal nachzuspüren.
Die Schau wartet dabei im sienafarben getünchten Erdgeschoss mit nicht weniger als dem letzten, noch nie öffentlich gezeigten Gemälde von Balthus auf, ‹Odalisque allongée›, 1998/99. Es handelt sich dabei um einen verträumten Akt mit Mandoline in einem Zimmer mit geschnitztem Mobiliar. Auf Ocker- und ­Türkistöne reduziert, erweist sich das Bild als behutsame Komposition von Massen und ­Linien sowie einer pulsierenden Binnengestaltung. Ähnlich wirkt auch eine grossformatige, bereits mit zittrigem Strich ausgeführte Zeichnung sowie eine Reihe von ebenfalls fast monochromen Polaroids des Modells. Die Aufnahmen fertigte er an, als er einsehen musste, dass er die Studien von Hand nicht mehr genau genug herstellen konnte. Allein diese Gruppe wäre deshalb fast eine Reise in den südwestlichsten Zipfel der Schweiz wert.
Im Untergeschoss sind nun die Polaroids zu sehen, die Balthus darauf auch in und um sein Chalet aus dem 18. Jahrhundert in La Rossinière zu machen begann und in denen er eine überraschende malerische Dichte und Tiefe erreichte. Die Fotos lassen deutlich werden, dass er vorgängig in diesen Stuben und Gärten alles während Jahrzehnten aufeinander abgestimmt und jeden Tag in den unterschiedlichsten Lichtverhältnissen erfahren hat.
Abgerundet wird diese Enthüllung seiner abschliessenden Werkphase von zahlreichen Arbeiten von und zum Künstler, welche die Gagosian Gallery in den letzten Jahren an sich binden konnte. Vor dem Manuskript seines engen Freundes Antonin Artaud, ‹Fait remontant à 1934 - La Misère du peintre›, 1947, das poetisch um Balthus' Leben bis zu diesem Zeitpunkt kreist wie auch seinen Tod und sein Erbe vorhersagt, bis zur Ölskizze des heute im MoMA hängenden Gemäldes ‹Le Salon›, 1941, kommt man dabei nicht aus dem Staunen heraus.

Bis 
29.07.2017
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Balthus 26.04.201729.07.2017 Ausstellung Genève
Schweiz
CH

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