Bildstein | Glatz — Loop und Ausstellung und Sommeratelier

Bildstein | Glatz · Loop, 2017, verschiedene Materialien © ProLitteris

Bildstein | Glatz · Loop, 2017, verschiedene Materialien © ProLitteris

Bildstein | Glatz · Jacqueline 3, Original-Raketengefährt vom legendären Weltrekord im Raketenauto-Dreisprung›, 2014, verschiedene Materialien © ProLitteris

Bildstein | Glatz · Jacqueline 3, Original-Raketengefährt vom legendären Weltrekord im Raketenauto-Dreisprung›, 2014, verschiedene Materialien © ProLitteris

Besprechung

Ein Doppellooping vor den Toren der Kartause Ittingen ist gleichsam Auftakt in die aktuelle Einzelausstellung des Kunst-museums Thurgau und Symbol für das Werk von Bildstein | Glatz. Nicht nur im Bereich der Schwerkraft fragt das Künstlerduo in seinen Arbeiten nach der Überschreitung von Grenzen.

Bildstein | Glatz — Loop und Ausstellung und Sommeratelier

Warth — Wo Blumenwiesen und historische Klostermauern der Kartause Ittingen für gewöhnlich Entschleunigung verheissen, präsentiert sich ein fünfzehn Meter hoher Doppellooping als irritierender Kontrapunkt. Die spektakuläre Konstruktion ‹Loop› haben Bildstein | Glatz, das sind Matthias Bildstein (*1978, Hohenems) und Philippe Glatz (*1979, St. Gallen), für das ansässige Kunstmuseum Thurgau entworfen. Über die Innenseite der Schlaufen zieht sich «Loop the Loop the Loop…» – befahrbar sind sie jedoch nicht: Dieser Endlosloop verweigert den Adrenalinrausch, den er so prägnant suggeriert. Ein Jahr nach ihrer Einweihung ist die Installation nun Auftakt für die aktuelle Einzelschau mit dem Titel ‹Nr. 1›. Im ersten Raum wird die Geschichte des Actionhelden Brutus B. inszeniert. Merchandisingartikel und sein Raumanzug heroisieren die Kunstfigur, fingierte Zeitungsberichte zeugen gleichzeitig von gescheiterten Heldentaten. Narration und Fiktion greifen eng ineinander. Die -Positionen kontrastieren den im Museum präsenten Genius Loci, was ihren ironischen Tiefsinn noch verstärkt. So trägt die Installation im gewölbten, ehemaligen Weinkeller den Titel ‹Chapique, original G-Kräfte-Testanlage›. Weiter zeigt die Schau Arbeiten auf Papier und Leinwand sowie Readymades und -Videos. Architektur, Typografie, auch Sprache und Symbolik des Extremsports und der Unterhaltungsindustrie transformieren Bildstein | Glatz in ihre eigene Bildwelt. Lustvoll erschaffen sie ganze Kosmen, bauen die Dekonstruktion derselben jedoch stets mit ein. Damit entlarven sie ihre Inspirationsquellen als Erscheinung einer Epoche, in der vermeintlich nur noch das Extreme zu bestehen vermag. Bald folgt ein Raketengefährt – auf einen Sockel drapiert und mit glänzendem Chromstahl. Im selben Raum zeigen Siebdrucke eine schwarze Doppelnull. Es ist stets das gleiche Sujet, durch die Handarbeit aber leichten Variationen unterworfen. Die Serie entstand jüngst in Weinfelden. Unter dem Schlagwort ‹Supergelb› treten Bildstein | Glatz hier den Sommer über selbst in Aktion: Die alte Remise steht ihnen als temporäres Atelier, als Raum für ihre Neugier und Experimentierlust zur Verfügung. Wenn der Arbeitsraum und die Ausstellung enden, wird ‹Loop› noch zwei Jahre stehen bleiben; Zeit, um die Passanten auf ihre Erwartungshaltungen und Wertungsmuster zurückzuwerfen – und die Diskussion genau darüber in Gang zu halten.

Bis 
12.08.2018

‹Bildstein | Glatz: Nr. 1, Kartause Ittingen›, bis 12.8.; ‹Supergelb›, Remise Weinfelden, bis 27.10.

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Bildstein/Glatz - Nr. 1 13.05.201812.08.2018 Ausstellung Warth
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