Bonnie Camplin — Auf das Transluzide zielen

Bonnie Camplin · ‹Squatter-She-Logo›, 2018, Kunsthaus Glarus: ‹Bonnie Camplin – Epic Time›, 2018, Installationsansicht. Foto: Gunnar Meier

Bonnie Camplin · ‹Squatter-She-Logo›, 2018, Kunsthaus Glarus: ‹Bonnie Camplin – Epic Time›, 2018, Installationsansicht. Foto: Gunnar Meier

Besprechung

Die Erfahrung von Zeiträumen steht im Zentrum von Bonnie Camplins Arbeit. Die Künstlerin nutzt ihre Bilder als Anschauungsmaterial, um eine persönliche Kosmologie zu entfalten. Dementsprechend kryptisch ist das an Stilen und Referenzen reiche Werk. Es verlangt, sich selbst einen Zugang zu suchen.

Bonnie Camplin — Auf das Transluzide zielen

Glarus — Der erste Blick in den Schneelisaal fällt unweigerlich auf die runde Fotografie ‹Every Woman has a Stargate in Her Knickers›, 2018. Die Öffnung auf «alternative» oder schlicht mehrere existierende Realitäten bestimmt physisch wie auch formal und thematisch die Ausstellung von Bonnie Camplin (*1970, London). Farblose Tüten, gefärbte Folien oder Lichtfilter, wie sie Fotograf/innen benutzen, suggerieren mit ihrer Durchsichtigkeit auch eine Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Räumen. Leicht zu übersehen hängt im Foyer zum Beispiel ein Werk aus transparentem Plastik vor dem Fensterglas. Je nach Standort ist schwach eine gepunktete Figur zu erkennen, die eine Yoga-Position einzunehmen scheint, vielleicht einen sanften Bogenschützen – dieselbe Figur, die andernorts mit dem Schriftzug «Ra» den Namen des ägyptischen Sonnengotts auf ihrem Brustkorb trägt. Eine zweite wiederkehrende Figur ist weiblich, sie spreizt ihre Oberarme und -schenkel rechtwinklig vom Rumpf ab. Als stark schematisiertes ‹Squatter-She-Logo›, 2018, füllt sie im Seitenlichtsaal auf roter Plastikfolie einen ganzen Fensterrahmen aus. Im oberen Saal hängt nahe des Eingangs dasselbe, nun fotografische Motiv eingerahmt von der Decke. Wieder geht der Blick durch rotes Plastik hindurch, während das mit ‹Blood›, 2018, betitelte Bild physisch den Weg blockiert. Transluzid, dabei tatkräftig: Rot ist Leitfarbe. Camplin bezieht eine (nämlich ihre) eindeutig weibliche Perspektive, die auch das Altern einschliesst. Andere, verdrängte Sichtweisen sind explizit Teil ihres Bilderkosmos, etwa im Motiv der Katharer oder der Hexe. Institutionelle Legitimierung ist der Künstlerin nicht wichtig, weder die museale Rahmung ihrer Bilder als Kunst noch das Atelier als Produktionsstätte von Kunst. Ihre Arbeiten sollen als Anschauungsmaterial vor allem zweckmässig sein. Das Alltägliche der Materialien oder Darstellungen («Ra» im T-Shirt) verhindert auch, dass die archaischen Referenzen romantisiert wirken. Vielmehr vermittelt Camplin eine offene Haltung. Diese ist, wie die «Squatterin» zeigt, als Aktivität zu verstehen. So ist das Subjekt hier ein Organismus, der ständig filtert; oder, wie die Künstlerin sagt, ein «flüssiger Kristall», eine im Aggregats-zustand mehrdimensionale Anordnung. Das Epische Camplins ist ein Abenteuer, das von einer materialistischen Realität ausgeht. Wie auf einer Filzstiftzeichnung steht: «reality is both plasmic + crystalline».

Bis 
19.08.2018

‹Bonnie Camplin – Epic Time›, Kunsthaus Glarus, bis 19.8.; 18.8, 17 Uhr, Rundgang mit Bonnie Camplin und Judith Welter, ab 18 Uhr, Sommerfest mit Grill und Bar 

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Bonnie Camplin 27.05.201819.08.2018 Ausstellung Glarus
Schweiz
CH
Künstler/innen
Bonnie Camplin
Autor/innen
Meredith Stadler

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