Christopher Williams

Christopher Williams, Bergische Bauernscheune, Junkersholz Leichlingen, September 29, 2009/2010, Archival Pigment Print, 50,8 x 61 cm, Courtesy: Galerie Gisela Capitain und David Zwirner

Christopher Williams, Bergische Bauernscheune, Junkersholz Leichlingen, September 29, 2009/2010, Archival Pigment Print, 50,8 x 61 cm, Courtesy: Galerie Gisela Capitain und David Zwirner

Christopher Williams, Model-Nr.: 1740, Rotznasen – Kinder Model Agentur, Düsseldorf, January 28, 2016, Inkjet print, 50,8 x 50,8 cm, Courtesy: Galerie Gisela Capitain und David Zwirner

Christopher Williams, Model-Nr.: 1740, Rotznasen – Kinder Model Agentur, Düsseldorf, January 28, 2016, Inkjet print, 50,8 x 50,8 cm, Courtesy: Galerie Gisela Capitain und David Zwirner

Hinweis

Christopher Williams

Hannover — Der Titel ‹Normative Models› gibt einen Hinweis auf die Ideen, die in dieser Ausstellung verhandelt werden. Wenn man losgelöst von ihm versuchen wollte, zu bestimmen, was das Interesse des amerikanischen Konzeptkünstlers Christopher Williams ist, dann stellt man schnell fest, dass mit seinen Arbeiten selbst kaum schnelle Schlüsse gezogen werden können. Kaum etwas ist angesichts des trockenen Ausstellungsdisplays und der im Ausstellungsraum nur sparsam arrangierten fotografischen Arbeiten aus sich selbst heraus unmittelbar verstehbar. Das hat Methode. Tatsächlich erfahren wir viel mehr, wenn wir versuchen, uns seinem Denken als Künstler zu nähern. Dann erst öffnen sich Bezüge in unterschiedliche Richtungen, die zum einen in die Geschichte der Kunst und ihrer (Darstellungs-)Konventionen führen, zum anderen in gesellschaftliche Übereinkünfte über «die gute Form» sowie Richtungen, die von einem kritisch-politischen Bewusstsein künden. Überall spürt Williams subtil und präzise normative Ordnungen auf, die entscheidend dazu beitragen, wie unsere Gesellschaft organisiert ist. Modellhaft greift er sie auf. Mit seinen Fotografien beispielsweise findet er Motive, die paradigmatisch für ein – von der Werbung erwecktes – Begehren stehen wie die perfekt inszenierten und fotografierten Äpfel der ‹Bergischen Bauernscheune›, 2009, oder auch für eine Konvention der Darstellung wie die Standardpose des ‹Zwerg-Brabanters›, 2013. Als Konzeptkünstler verweigert Williams die eigene Aufnahme, sondern beauftragt andere zur Realisierung seiner Arbeit. Konsequent ist daher auch, immer wieder mit den -gleichen Wandsystemen zu arbeiten und sie nach Hannover zu bringen. Hier erhalten sie erstmals einen Status als Werk. Nicht nur zitiert Williams mit ihnen seine eigene (zum Teil kollaborative) Ausstellungsgeschichte und seine Geschichte der Zusammenarbeit mit Kuratorin Christina Végh. Auch befragt er mit seinen Entscheidungen Konventionen des Ausstellungssettings. Damit sind seine Arbeiten klar in der Institutionenkritik zu verorten. In einem Brief, der in einer Vitrine zu finden ist, bezeichnet Williams die Elemente seiner Ausstellung und die Beziehungen, die sie begründen, als «Theater der Operationen». Damit gibt er nicht nur einen Hinweis auf ein neues Beschäftigungsfeld – seine Auseinandersetzung mit Bertolt Brecht und dessen epischem Theater –, sondern auch darüber, dass Varianten der Aufführung entscheidend die Rezeption beeinflussen. Dies ist ein Motor seiner Arbeit. Dass er auf subtile Weise politische Setzungen gibt, erschliesst sich bei genauer Lektüre der Bildtitel und der in Vitrinen ausgelegten Materialien. Es ist anregend, mit Sicht auf das Werk immer wieder die Perspektiven zu wechseln. Das regt das Denken an.

 
Bis 
29.07.2018
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Kestnergesellschaft Deutschland Hannover
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Christopher Williams 05.05.201829.07.2018 Ausstellung Hannover
Deutschland
DE
Autor/innen
Maren Lübbke-Tidow
Künstler/innen
Christopher Williams

Werbung