Editorial — Black Madonna

Theaster Gates · JPC EFF, 1965 HairStyles, From the archives of the Johnson Publishing Company

Theaster Gates · JPC EFF, 1965 HairStyles, From the archives of the Johnson Publishing Company

Editorial

Editorial — Black Madonna

Verführerisch blickt sie uns an. Lockenwickler müssen damals der letzte Schrei gewesen sein, jedenfalls weist das Bild auf die Schönheitsideale der Sechzigerjahre. Es ist nur eines in einer langen Reihe, in der Frauen – und einige Männer – in allen erdenklichen Lebenslagen, selbstbewusst und adrett gekleidet vor der Kamera posieren. Es sind keine Schnappschüsse, sondern von Profifotografen gekonnt in Szene gesetzte Models, die uns den afroamerikanischen Lebensstil ihrer Zeit vor Augen führen. Die Aufnahmen stammen aus dem Archiv von Johnson H. Johnson, einem Geschäftsmann und Verleger, der die Zeitschriften ‹Ebony› und ‹Jet› für die afroamerikanische Leserschaft gegründet hatte. Die Fotografien bilden das Herzstück einer grossen Installation im Neubau des Kunstmuseums Basel und tauchen parallel in zwei Werken im Kunstmuseum | Gegenwart im St. Alban-Graben auf. ‹Black Madonna› heisst die Schau, mit der Theaster Gates die beiden Häuser bespielt und zahlreiche Bezüge zwischen Kunst und Kirche, Spiritualität, Politik und Arbeit aufspannt. Was mit der Muttergottes in Form einer schwarzen Madonna beginnt, ist eine Hommage an die Frau schlechthin: «… mothers, Marys, are powerful and the most important models, advocates, caregivers, powersources in my life.» Gates tritt im Museum als Prediger auf, plädiert für soziale Gerechtigkeit, für ein universales Menschenbild und für die Stärke jedes Einzelnen: «I am calling you» hallt es uns aus dem intensiven, musikalisch mitreissenden Video mit dem suggestiven Titel ‹Do You Hear me Calling, Mama Mamma or What is Black Power› entgegen. Und unweigerlich werden die vielstimmigen sakralen Gesänge, der Sog der Bilder, die eindringliche Zwiesprache des Predigers mit Gott zum eigenen Appell.

Bis 
21.10.2018

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