Faust

Du bist Faust – Goethes Drama in der Kunst, Ausstellungsansicht, Courtesy Kunsthalle München. Foto: Michael Naumann / Tiefenpixel
 

Du bist Faust – Goethes Drama in der Kunst, Ausstellungsansicht, Courtesy Kunsthalle München. Foto: Michael Naumann / Tiefenpixel

 

Robert Mapplethorpe · Selbstporträt, 1985, 40,6 x 50,8 cm, Silbergelatineabzug
 

Robert Mapplethorpe · Selbstporträt, 1985, 40,6 x 50,8 cm, Silbergelatineabzug

 

Hinweis

Faust

München — «Lass Dich verführen!», frohlockt das ‹Faust! – Festival Magazin›. München präsentiert anlässlich von Goethes ‹Faust› 23 Wochen lang «grosses Drama». Ganz München tanze, feiere, schwärme und schmachte. Während in der Stadt «Hunderte Events» stattfinden, präsentiert die Kunsthalle München die Ausstellung ‹Du bist Faust – Goethes Drama in der Kunst›. Denn Goethes ‹Faust› inspirierte seit seinem Erscheinen 1808 zahlreiche Kulturschaffende, darunter Eugène Delacroix, Max Beckmann und Robert Mapplethorpe. Die Beliebtheit des Stoffs verwundert nicht, handelt er doch von Erkenntnis- und Machtstreben, von Verführbarkeit und erotischen Ambitionen sowie vom Pakt mit dem Teufel – ganz grosses Kino also! Dem «Menschheitsdrama von grösster Aktualität» begegnet die Kunsthalle München nun aber mit einer Inszenierung, die nicht jeden verführen dürfte. Verfolgt wird ein höchst thea-tralischer Ansatz: Die Ausstellung ist als ein begehbares Puppentheater konzipiert. Goethe hat als Kind ein solches besessen, aber auch die Anlehnung an die Idee des Theatrum mundi ist offenkundig. In jedem Raum wird ein Kapitel des ‹Faust› aufbereitet, mit Kunst, Tapeten und Kulissen. Es entfaltet sich eine «Welt des Dramas», die auf so manches Klischee zurückgreift: Zerbrochene Spiegel symbolisieren Fausts innere Zerrissenheit. Weiss und Blassrosa stehen für die Unschuld des jungen Gretchen, das Objekt von Fausts Begierde wird. Man scheut sich auch nicht, ein Kreuz in die Wand einzulassen, um einer Szene einen sakral-bedeutungsschwangeren Anstrich zu verleihen oder einen gesamten Ausstellungsraum zur Oper umzugestalten, um den Einfluss des ‹Faust›-Stoffs auf die Musik zu demonstrieren. Das kann man mögen oder auch nicht. Wie aber wirkt sich die Inszenierung auf die Kunst aus? Zugutehalten muss man der Ausstellung, dass sie den breiten Einfluss von Goethes ‹Faust› auf Kunst und Kultur eindrücklich vor Augen führt. Es gibt einiges zu entdecken. Zudem darf sich eine «literarische Ausstellung» gerne vom Konzept des White Cube entfernen. Doch anders als der Ausstellungstitel verspricht, geht es hier weniger um den ‹Faust› in der Kunst. Vielmehr findet sich die Kunst im ‹Faust› wieder: Die Kunstwerke werden zu Requisiten im grossen Spektakel. Dabei erdrückt das Setting nicht nur die zeitgenössische Kunst, die ohnehin spärlich vertreten ist. Es verstärkt auch den illustrativen Charakter vieler älterer Kunstwerke – weniger wäre mehr gewesen! 

Bis 
29.07.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Du bist Faust 10.06.201829.07.2018 Ausstellung München
Deutschland
DE
Autor/innen
Jana Bruggmann
Künstler/innen
Robert Mapplethorpe

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