Fischli/Weiss — Es steht ein Haus in Oerlikon

Peter Fischli / David Weiss · Haus, 1987 / 2016, Aluminiumguss 300 x 400 x 500 cm, unterstützt von Maja Hoffmann / Luma Foundation, Offene Rennbahn Zürich Oerlikon, Courtesy Eva Presenhuber Galerie Zürich. Foto: Pierluigi Macor

Peter Fischli / David Weiss · Haus, 1987 / 2016, Aluminiumguss 300 x 400 x 500 cm, unterstützt von Maja Hoffmann / Luma Foundation, Offene Rennbahn Zürich Oerlikon, Courtesy Eva Presenhuber Galerie Zürich. Foto: Pierluigi Macor

Fokus

Die Arbeit ‹Haus› von Peter Fischli und David Weiss hat vor der Offenen Rennbahn in Zürich Oerlikon ein permanentes Zuhause gefunden – und überzeugt als Kunstwerk im öffentlichen Raum, das sich nicht aufdrängt und hervorragend mit der Umgebung korrespondiert.

Fischli/Weiss — Es steht ein Haus in Oerlikon

Kunst im öffentlichen Raum kann heikel sein: Komplizenschaft im Stadtmarketing sorgt bisweilen dafür, dass Kunstwerke zur Dekoration degradiert werden oder ein fehlender Kontext die Bedeutung einer Arbeit aushöhlt. Doch es gibt auch gelungene Beispiele für anspruchsvolle, auf den jeweiligen Ort reagierende und relevante Themen aufgreifende Arbeiten; die ‹Skulptur Projekte Münster› versuchen sich alle zehn Jahre an dieser Aufgabe oder in diesem Jahr die Initiative ‹Neuer Norden Zürich›, welche die städtebaulichen Veränderungen in Schwamendingen, Oerlikon und Seebach mit der Beteiligung von über dreissig Kunstschaffenden thematisiert. Eine der Arbeiten, die im Rahmen des Projekts installiert wurden, ist ‹Haus› von Peter Fischli und David Weiss, die erstmalig bei den zuvor erwähnten Skulpturprojekten 1987 in Münster gezeigt wurde. Danach ging die Arbeit, ein unscheinbares Geschäftsgebäude im Massstab 1:5 auf einer Grundfläche von 25 Quadratmetern, auf Reisen. 2016 war es in einer Neuauflage während der Retrospektive des Künstlerduos vor dem New Yorker Guggenheim installiert und fand sich mit einer völlig anderen Umgebung als 1987 in Münster konfrontiert. Nun steht die Arbeit – von Peter Fischli malerisch aufgefrischt – dank einer privaten Schenkung von Maja Hoffmann / Luma Foundation vor der Offenen Rennbahn Oerlikon und muss erneut mit einer spezifischen topografischen Situation interagieren. Und das gelingt sehr gut. Bei der ersten Begehung wird klar, dass Fischli, natürlich ein Kenner Zürichs, -eine reflektierte Entscheidung hinsichtlich eines passenden Orts für die Installation getroffen hat. Zwischen Hallenstadion, Theater 11 und diversen Gewerbe- und Hotelgebäuden steht nun also das ‹Haus› und fällt nicht weiter auf. Und das ist eine positiv gemeinte Beobachtung, denn so spiegelt dieser Bau aus den Achtzigerjahren in seiner gewollten «grösstmöglichen Mediokrität» auf leise Art und Weise den Zustand der zusammengewürfelten Agglomerationsarchitektur dieses Nicht-Ortes. Geprägt von Zweckmässigkeit und temporärer Nutzung wirkt die Umgebung verlassen. Breite Strassen zerschneiden die Fläche und ein knallbunter Brunnen von Annemie Fontana plätschert einsam vor sich hin. Inmitten dieser Szenerie, zum Glück nicht eingezäunt, unterwandert das ‹Haus› geschickt die Gefahr, sich als kontextlose Dekoration zu verdingen. Denn so gut es an diesen Ort passt, so irritierend wirkt es bei näherer Betrachtung: Zu gross für ein Modell und zu klein für menschliche Bewohner/innen richtet das ‹Haus› den Blick auf eine selbstverständliche Verschränkung von Architektur, Gewerbe und lokaler Produktion, die heute zunehmend auseinanderfällt.

‹Haus›, Permanente Installation; Offene Rennbahn Zürich Oerlikon

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