Goran Trbuljak

Goran Trbuljak · ‹Before and After Retorspective›, Centre d’art contemporain Genève, 2018 (Ausstellungsansichten). Foto: Mathilda Olmi
 

Goran Trbuljak · ‹Before and After Retorspective›, Centre d’art contemporain Genève, 2018 (Ausstellungsansichten). Foto: Mathilda Olmi

 

Goran Trbuljak · ‹Before and After Retorspective›, Centre d’art contemporain Genève, 2018 (Ausstellungsansichten). Foto: Mathilda Olmi
 

Goran Trbuljak · ‹Before and After Retorspective›, Centre d’art contemporain Genève, 2018 (Ausstellungsansichten). Foto: Mathilda Olmi

 

Hinweis

Goran Trbuljak

Genf — Andrea Bellini hat das Centre d’art contemporain 2012 einerseits mit dem Vorsatz übernommen, dem Genfer Publikum die radikalsten Positionen der zeitgenössischen Kunst vorzustellen. Andererseits wollte er auch den Diskurs aus den Sechziger- und Siebzigerjahren einer Neubewertung unterziehen. Dies tut er, indem er bisher nicht dauerhaft in der Öffentlichkeit präsente, aber nichtsdestotrotz epochale Figuren aufarbeitet. Zurzeit widmet er dem ausser Fachleuten schier unbekannten siebzigjährigen kroatischen Künstler Goran Trbuljak eine glänzende Retrospektive. Die verwandelnde Kraft des zwischen Offenbarungen und Verhüllungen angelegten und auch humorvollen Werks lässt niemanden kalt. Bereits seine an den Anfang gesetzte Geste von 1971 ist viel mehr als eine damals überall virulente Institutionskritik. Statt das Zagreb Student Center mit ein paar Werken zu bespielen, präsentierte er damals nur ein Plakat mit einer Porträtfotografie, dem Ort und der Zeit der Ausstellung sowie der Aufschrift «Ich will nichts Neues und Originelles zeigen». Sein sich aus dieser Haltung entwickelndes Werk ist eine grossartige Liebeserklärung an die Kunst. Immer wieder sollte er in den nächsten Jahren auf überraschende Weise um ihre Hand anhalten, ehe er 1980 diese Versuche als gescheitert beurteilte. So bestand etwa eine seiner Aktionen auf der Strasse aus einer Umfrage bei 500 Menschen, ob er ein Künstler sei, die bei 37 Enthaltungen in 259 Ja und 204 Nein resultierte. Oder er klebte auf die Absätze der Stufen zweier gegenläufiger Rolltreppen einerseits «Trbuljak» und andererseits «Artiste», was hin und wieder zu einer Zusammenführung der beiden Wörter führte. Oder er wies sich durch eine sonntägliche Bemalung der Vitrine eines Ladens mit Künstlerutensilien wie Farbtuben, Leinwänden und Staffeleien als ein Sonntagsmaler aus. Seine Gesten waren jedoch nie darauf angelegt, nur als Ereignis in die Geschichte einzugehen, sondern resultierten jeweils auch in Objekten. Parallel entstand auch ein zeichnerisches und malerisches Werk, das ihm jedoch nie zum Ausdruck von Leidenschaften, Eindrücken und Einbildungen diente. Er untersuchte das Zeichnen und Malen vielmehr unablässig in Bezug auf seine materiellen und symbolischen Qualitäten. Unzählige Hefte hat er so mit Linien und Kringeln gefüllt und damit darauf hingewiesen, dass auch eine Kunst nach der Kunst nötig sei. Nachgerade alles über das Sinnliche von Malerei geht aus seinen von hinten bemalten oder durch Löcher betropften Leinwänden hervor. Es ist eine befleckte Empfängnis. 

Bis 
19.08.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Goran Trbuljak 30.05.201819.08.2018 Ausstellung Genève
Schweiz
CH
Autor/innen
Katharina Holderegger Rossier
Künstler/innen
Goran Trbuljak

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