Imi Knoebel — Guten Morgen, weisses Kätzchen

Imi Knoebel · Guten Morgen, weisses Kätzchen. Installationsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2018 © ProLitteris. Foto: Stefan Altenburger

Imi Knoebel · Guten Morgen, weisses Kätzchen. Installationsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2018 © ProLitteris. Foto: Stefan Altenburger

Besprechung

Unter dem geheimnisvoll narrativen Titel ‹Guten Morgen, weisses Kätzchen› zeigt das Haus Konstruktiv eine umfangreiche Schau zu Imi Knoebel. Mit ausgewählten Werken von 1966 bis -heute, darunter zwei programmatischen Schlüsselwerken, wird die -potenzielle Vielfalt minimalistisch abstrakter Malerei erfahrbar.

Imi Knoebel — Guten Morgen, weisses Kätzchen

Zürich — Es ist ein imposanter Ausstellungsauftakt: Die grosse Halle im Erdgeschoss des Museums Haus Konstruktiv ist, einem Materiallager ähnlich, gefüllt mit Keilrahmen und unterschiedlichen Objekten aus MDF – Quader, Halbzylinder, -Platten. Die adrett geordneten und getürmten Volumina nehmen fast die ganze Fläche des Saals ein und wachsen stellenweise als quasi architektonische Strukturen weit in die Höhe. Scheinbar zufällig und doch offensichtlich intendiert sind in den Zwischenräumen da und dort Häufchen von Keilen angeordnet. Das also ist ‹Raum 19›, hier in der Version III von IV, der im Zusammenhang mit Imi Knoebel (*1940, Dessau) stets als ein Schlüsselwerk zitiert wird: Es entstand 1968, als Knoebel an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Joseph Beuys studierte. Zusammen mit seinem engen Freund Imi Giese sowie mit Blinky Palermo und Jörg Immendorff hatte Knoebel den Raum neben dem Klassenzimmer als Atelier beansprucht und hier – im Raum 19 – sein künstlerisches Programm erstmals visuell fassbar gemacht: Das Material MDF und Arbeitsprinzipien wie Stapelung, Schichtung und serielle Reihung sollten für seinen erweiterten Malereibegriff zentral werden. Ähnlich programmatisch und radikal wie diese Eingangsinstallation mutet die Serie der 21 ‹Kernstücke› an, die im 4. Stock des Hauses präsentiert wird: Einem Alphabet gleich hat Knoebel hier seit 1966 die Grundkomponenten seines Schaffens in Einzelwerke auseinanderdividiert. In ihrer schlichten Pointiertheit sind diese Setzungen verblüffend, erhellend und erheiternd zugleich: Ein senkrechter Grafitstrich oder ein weisses Rechteck auf der Wand etwa stehen als formal faktische Elemente poetischen und auch humorvollen Arbeiten wie ‹Fundstück› (eine leere Kartonschachtel) oder ‹Sterne› (eine Fotografie, in der weisse Punkte auf schwarzem Grund leuchten) gegenüber. Auf den Etagen zwischen diesen theoretisch gefärbten Klammern ist die Entfaltung von Knoebels künstlerischem Ansatz erfahrbar. Im 3. Stock wird mit ausgewählten Werken verschiedenen Datums die langjährige Arbeit am Bild ersichtlich, wobei der Künstler Minimalismus und Farbfeldmalerei gleichermassen zitiert und – teils augenzwinkernd – zu überwinden sucht. In den neuesten Werken im 1. Stock mündet das in annähernd figürlich gestaltete Malgründe, auf denen der Pinselduktus zunehmend expressiv wird. So zeigt sich Knoebel in der Schau als Künstler, der konzeptuelle Strenge und formale Abstraktion mit lustvoller Hingabe zu verbinden vermag.

Bis 
02.09.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
HELGA PHILIPP - Poesie der optischen Transformation 25.10.201813.01.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Deborah Keller
Künstler/innen
Imi Knoebel

Werbung