Judith Clark — Feine Nagelstiche

Judith Clark · Exhibiting Niklaus Manuel Deutsch: The Judgement of Paris II, Amden. Foto: David Aebi

Judith Clark · Exhibiting Niklaus Manuel Deutsch: The Judgement of Paris II, Amden. Foto: David Aebi

Judith Clark · Exhibiting Niklaus Manuel Deutsch: The Judgement of Paris II, Amden. Foto: David Aebi

Judith Clark · Exhibiting Niklaus Manuel Deutsch: The Judgement of Paris II, Amden. Foto: David Aebi

Besprechung

Die Ausstellungsmacherin Judith Clark etabliert im Atelier Amden keine Kunstwerke, sondern ein Sensorium für Raum, Zeit und Ort. Ein Abtasten des Amdener Hangs mit einem seiner Gebäude, dem es sich in Ruhe und mit Achtsamkeit zuzuwenden gilt. Vor allem auf die Nägel fällt der Blick.

Judith Clark — Feine Nagelstiche

Amden — Wenn sich die Bedingungen des ökonomischen Handelns ändern, verändern sich die Funktionen der Produktionsstätten. Fabriken werden zu Lofts, Ställe zu Ferienhäusern. Das Atelier Amden befindet sich in einer Zone strukturellen Wandels. Es ist zum Marker für den Übergang geworden. Das wird schnell deutlich. Blickt man vor dem sonnengebräunten Stall auf die andere Seite des Walensees, sieht man Berge, in denen sich ein Wolfsrudel festgesetzt hat. Die Landschaft zeigt neue Charakterzüge mit der Ankunft der Wölfe. Ein neuer Naturbegriff liegt in der Luft. Die Ausstellungsmacherin Judith Clark spürt diesen Sommer mit feinen Stichen diesen kulturellen und landschaftlichen Veränderungen nach. Der aufgrund veränderter Tierschutzgesetze stillgelegte Stall ist seit neunzehn Jahren zu einem etablierten Ausstellungsort geworden. Kuratorisch betreut wird das Atelier Amden seit Beginn vom Kunsthistoriker Roman Kurzmeyer. Verschiedene künstlerische Interventionen haben neue Energiebahnen gezogen und den Charakter des Gebäudes und des Orts modifiziert. Die Herberge für Tiere ist zu einem Rezeptionsrahmen geworden. Mit einem Auge für Details hat sich Clark von eingeschlagenen und herausstehenden Nägeln zu einer eigenen Nagelsorte inspirieren lassen. Sie sind einerseits Dekoration, schmücken den Stall in einer fast schon unsichtbaren Weise. Die Stifte sind gebogen und von unterschiedlicher Länge. Sie lehnen sich an Motive aus einem Skizzenbuch von Niklaus Manuel Deutsch (1484–1530) an. Zweitens markiert Judith Clark, die in London Modeausstellungen zusammenstellt, für sie wichtige Teile an der Scheune. Die unterschiedlich grossen Nägel aufzuspüren und sie perspektivisch in das Gebäude und die Landschaft einzuordnen, ist dem Publikum aufgetragen. Neben den Nägeln lässt sich auch ein Brandeisen finden, wie es in Zeiten vor den gelben Ohrenmarken für die Kennzeichnung von Tieren eingesetzt wurde. Auf der Brandfläche ist ein Bär zu sehen, der von Niklaus Manuel Deutsch gezeichnet wurde und anthropomorphe Züge aufweist. Clark hat damit ein Brett im Innenraum gebrandet und wie man dem Englischen Wort «Branding» entnehmen kann, hat das heute mit Marketingstrategien zu tun, mit Eigentumsrechten, wie man sie früher bei den Tieren anwendete.

Bis 
30.08.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Judith Clark 10.06.201830.08.2018 Ausstellung Amden
Schweiz
CH
Karin Sander – Gebrauchsbilder / Patina Paintings 15.06.201431.12.2023 Ausstellung Amden
Schweiz
CH
Kontakt(e)
Roman Kurzmeyer
Künstler/innen
Niklaus Manuel Deutsch
Autor/innen
Stefan Wagner

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