Jutta Koether

Jutta Koether · Starry Night II, 1988, Öl auf Leinwand, 75 x 95 cm, beide: Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York
 

Jutta Koether · Starry Night II, 1988, Öl auf Leinwand, 75 x 95 cm, beide: Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York

 

Jutta Koether · Tour de Madame 10, 2018, Öl auf Leinwand, 220 x 170 cm
 

Jutta Koether · Tour de Madame 10, 2018, Öl auf Leinwand, 220 x 170 cm

 

Hinweis

Jutta Koether

München — ‹Tour de Madame›, das klingt nach Glamour und High Society. Doch der Titel der Schau von Jutta Koether, die jetzt im Münchner Museum Brandhorst zu sehen ist, führt zunächst in die Irre. Malen ist für die 1958 in Köln geborene Künstlerin nicht Lifestyle, sondern Überlebensstrategie. Die weitgehend chronologische Retrospektive zeigt über 150 Werke aus 35 Jahren. Und eines macht der Titel deutlich: Es geht um die weibliche Perspektive – auf die Welt und die Kunst. Denn Koether schrieb auch, nicht zuletzt war sie Redaktorin der Musikzeitschrift ‹Spex›. Darüber hinaus experimentierte sie mit Performance und Musik.
In München steht die Malerei im Mittelpunkt. Sie wurde oft als feministische Replik auf die an Macho-Gesten reiche Kunst des Kölner Neo-Expressionismus interpretiert. Die frühen Bilder aus den 1980er-Jahren wirken eher flächig, als Motive kehren Auge, Mund, Kreis und Dreieck wieder – die auch für Brust und Scham stehen. Koether kombiniert abstrahierte Formen mit Wortspielen («Ah! Fair») und Zitaten. Oft findet sich offensive Symbolik wie die geballte Faust. Als herausfordernde Aneignung taucht auch das primäre männliche Geschlechtsmerkmal auf – ihre Ganzfiguren werden zu Transgender-Körpern. Eine Konstante bleibt die Auseinandersetzung mit (männlichen) Granden der Kunst: Immer wieder Poussin oder – einmalig – Courbets ‹Origine du monde›. 1988 malte sie ihre Version der ‹Sternennacht› van Goghs – als Gegensatz zum Original in Rottönen. Damals griff sie ausschliesslich, aber in allen Nuancen, zu der Farbe, die für Alarm, Affekt und Schminke steht. Tonio Kröner und Achim Hochdörfer, die Kuratoren dieser Ausstellung, holten auch einige Bilder aus dem Depot der Künstlerin, die als Entwicklungsstufe interessant sind, eigenständig allerdings nur bedingt bestehen können. Später wird die Palette bunter, in den Grossformaten herrscht Überfülle. Ende der 1990er-Jahre, Koether lebte inzwischen in New York, entstand Eindrucksvolles wie der Tondo ‹Enti-rely Empty Space› und die Serie ‹WB›. Das Chaos verdichtet sich hier zu undurchdringlichen, malerisch konsistenten Strukturen. 2000 wechselt die Farbpalette zu Gelb und Schwarz: Damals starb ihre Galeristin und Freundin Pat Hearn. Als Höhepunkt werden die 15 titelgebenden Gemälde ‹Tour de Madame› in einem gläsernen Polygon präsentiert: Jutta Koethers Gegenentwurf zum im Brandhorst-Museum gehüteten Lepanto-Zyklus Cy Twomblys, der alle Aspekte ihres Schaffens formal und inhaltlich vereint. Wiederum eine Reflexion, ein Ringen mit der Geschichte der Malerei und – zart im Strich, selbstbewusst in der Sache – eine künstlerische Selbstbehauptung.

Bis 
21.10.2018

Die Ausstellung ist ab 8.2.2019 im Mudam Luxembourg zu sehen.

 
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Jutta Koether 18.05.201821.10.2018 Ausstellung München
Deutschland
DE
Künstler/innen
Jutta Koether
Autor/innen
Roberta, De Righi

Werbung