Klaus Lutz und Johann Ulrich Fitzi — Obsession Zeichnung

Walk the Line, 2018, Zeughaus Teufen; Bodenarbeit: Anna Beck-Wörner. Foto: Christian Schwager

Walk the Line, 2018, Zeughaus Teufen; Bodenarbeit: Anna Beck-Wörner. Foto: Christian Schwager

Besprechung

Johnny Cash komponierte den Song ‹Walk the Line› 1955. Darin besingt er eine Lebenshaltung, die sich an eine klare Linie hält bzw. einem nachvollziehbaren Weg folgt. In der aktuellen Ausstellung im Zeughaus Teufen lässt sich dies auf Kunstschaffende übertragen, die sich und ihren Themen treu bleiben.

Klaus Lutz und Johann Ulrich Fitzi — Obsession Zeichnung

Teufen — Klaus Lutz und Johann Ulrich Fitzi: der eine ein Experimentalfilmer und literarisch inspirierter Performancedarsteller, der andere ein autodidaktischer Zeichner und biedermeierlicher Landschaftschronist – zwei, die nicht zusammengehören, aber zusammenpassen, wenn der Kontext stimmt. Den setzt Ueli Vogt, Kurator des Zeughauses Teufen, auf inzwischen gewohnt unbefangene Weise. ‹Walk the Line› überschreibt er die nunmehr zehnte grosse Ausstellung im Zeughaus. Und wie bereits in der Vergangenheit konstruiert er damit einen Rahmen, der grosszügig aufnehmen kann, was im Haus bereits vorhanden ist, was eigens geschaffen wurde oder was längst einer Präsentation harrt wie das durch den Kanton Appenzell Ausserrhoden vor einiger Zeit erworbene Zeichnungskonvolut von Fitzi (1798–1855). Der Autodidakt streifte mit Stift und Papier durchs Appenzellerland und hielt es so akribisch fest, dass seine Zeichnungen als Material für die Denkmalpflege taugen. Der eigenständige künstlerische Ausdruck tritt in ihnen weit hinter den dokumentarischen Anspruch zurück. Sie als reine Fleissarbeit zu präsentieren, griffe jedoch viel zu kurz. Die Kombination mit Lutz (1940–2009) und den Werken junger zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler rückt sie in neues Licht. Von Lutz sind unter anderem der zwölf Meter lange ‹Pas de deux› und das Robert Walser gewidmete ‹Zimmerstück› zu sehen – beide von ähnlicher Obsession geprägt wie Fitzis Œuvre. Auf andere Weise setzen sich Fitzis akribische Bleistiftlineaturen in Sandra Kühnes mit der Schere geschnittenen Wegenetzen fort und in Christian Kathriners grafischen Rastern. Sie finden ihren Kontrast in Anna Beck-Wörners Klebebandlinien, die über Balken und Wände des Zeughauses mäandern. Sie erhalten Antwort in Karin Karinna Bühlers typografisch durchgestalteten Wortbildern. Hier zeigt sich eine weitere Besonderheit im Zeughaus: Immer wieder dürfen sich Werke aus den Ausstellungen im Haus dauerhaft einnisten und bieten sich aus dieser Position heraus als Dialogpartner an. Kathriner hatte beispielsweise anlässlich der Eröffnung im Jahr 2012 für den Asphaltplatz vor dem Gebäude ein Trajektorenfeld entworfen. Es sichert nicht nur den Bezug zur Baumeisterfamilie Grubenmann, deren Werke im dritten Obergeschoss gewürdigt werden, sondern bietet sich jetzt sogar zur wörtlichen Umsetzung des Ausstellungsmottos an.

Bis 
19.08.2018

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