Lutz & Guggisberg – il giardino

Lutz & Guggisberg · il giardino, Ausstellungsansicht, Collezione Maramotti, Reggio Emilia © ProLitteris. Foto: Roberto Marossi
 

Lutz & Guggisberg · il giardino, Ausstellungsansicht, Collezione Maramotti, Reggio Emilia © ProLitteris. Foto: Roberto Marossi

 

Lutz & Guggisberg · Dopo il letargo, 2018 © ProLitteris. Foto: Nadine Kägi
 

Lutz & Guggisberg · Dopo il letargo, 2018 © ProLitteris. Foto: Nadine Kägi

 

Hinweis

Lutz & Guggisberg – il giardino

Reggio Emilia — «Vielleicht lässt sich das verborgenste Motiv des Sammelnden so umschreiben: Er nimmt den Kampf gegen die Zerstreuung auf. Der grosse Sammler wird ganz ursprünglich von der Verworrenheit, von der Zerstreutheit angerührt, in der sich die Dinge in der Welt vorfinden.» Mit diesem Zitat aus Walter Benjamins Passagenwerk wird der Gang durch die gigantische Sammlung der meist grossformatigen Arte-Povera- und Konzept-Arbeiten des Max-Mara-Modekonzerngründers Achille Maramotti in den ehemaligen Produktionshallen in Reggio Emilia eröffnet. Der emilianische Sammler sortiert seine «zerstreuten» Stücke im Raum nach einem präzisen Ordnungsprinzip, hier das der Chronologie, und sucht somit – frei nach Kant – durch Ordnen von empirischen Daten mittels Kategorien, Erkenntnisse aus seinen geheimnisvoll verworrenen Kunstwerken zu generieren. Die neuen Arbeiten von ‹il giardino› von Guggisberg & Lutz, welche derzeit als Teil des Festivals ‹Fotografia Europea 2018› ebenfalls in der Fondazione Maramotti zu sehen sind, passen perfekt zur Benjamin’schen Idee, denn sie bilden das zweitaktige Sammlerprinzip der Verworrenheit der Welt einerseits und der stetigen Ordnungsversuche andererseits variantenreich und voller Ironie prozesshaft ab. Auch Künstler sind Sammler und generieren neue Erkenntnisse, indem sie die gefundenen Gegenstände in Raum und Zeit kombinieren und weiterverarbeiten. Auf den Fotografien von Guggisberg & Lutz finden sich weder sorgfältig angelegte Nutzgärten noch durchgestaltete Barockanlagen abgebildet, sondern eher ein Mix zwischen vernachlässigtem Schrebergarten und zufällig entstandenem Materialendlager von hingeworfenen, aufgehäuften Metall-, Plastik- oder Holzresten. Diese verworrenen Abbildungen voller gefundener Gegenstände werden wie jede Fotografie selber zu «Objets trouvés» und bilden das Grundmaterial für Guggisberg & Lutz’ skulpturalen und malerischen Weiterverarbeitungsprozess, der von formalen und inhaltlichen Assoziationen und Referenzen nur so sprüht. Während die gefundenen Materialien sorgfältig zu Rauminstallationen arrangiert einen Mikrokosmos aus Farben und Oberflächenstrukturen sowie Geschichten aus «Tableaux vivants» ins Leben rufen, vermengen sich in den Bildern Fotografie und Malerei, bis sie kaum mehr zu unterscheiden sind. Im unübersichtlichen Mischmasch dieser Wirrbilder wimmelt es von aus dem Winterschlaf aufgewachten Tierchen, mysteriösen Figürchen aus unbekannten Kulturen, undefinierbaren Wesen und gespiegelten Gegenständen. Aus dem assoziativ freien Spiel mit der Verworrenheit wird Humus für die Welt der Fantasie.

Bis 
30.12.2018
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Collezione Maramotti Italien Reggio Emilia
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Lutz/Guggisberg 22.04.201830.12.2018 Ausstellung Reggio Emilia
Italien
IT
Autor/innen
Barbara Fässler
Künstler/innen
Lutz/Guggisberg

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