Martha Stettler

Martha Stettler · Stillleben mit Katze, zw. 1907 und 1916, Öl auf Leinwand, Kunstmuseum Bern
 

Martha Stettler · Stillleben mit Katze, zw. 1907 und 1916, Öl auf Leinwand, Kunstmuseum Bern

 

Martha Stettler · Spielende Kinder im Jardindu Luxembourg, 1912, Öl auf Leinwand, Privatbesitz
  

Martha Stettler · Spielende Kinder im Jardin
du Luxembourg, 1912, Öl auf Leinwand, Privatbesitz

  

Hinweis

Martha Stettler

Bern — Es gehört zu den Privilegien unserer Zeit, dass man eine Künstlerin wie die in Bern aufgewachsene Martha Stettler (1870–1945) neu entdecken kann. Dass das beachtenswerte Werk, das in den ersten vier Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts vor allem in Paris entstanden ist, als neue Stimme in der schweizerischen Kunstlandschaft wahrgenommen wird, ist dem Berner Kunstmuseum und insbesondere der Kuratorin Corinne Linda Sotzek zu verdanken, die über Martha Stettler promoviert und die Retrospektive eingerichtet hat. Vor allem Stettlers Kinderbildnisse und Parklandschaften dokumentieren ihre Vorlieben zum Postimpressionismus und zu den Nabis. Immer wieder denkt man bei ihren Bildern an diejenigen von Pierre Bonnard und Edouard Vuillard und ist – wie bei den Genferseelandschaften von Ferdinand Hodler – versucht, in ihrer nuancierten Gewichtung des Wellenschlags der Brunnenanlagen im Jardin du Luxembourg und im Jardin des Tuileries Vorstufen abstrakter Malerei zu erkennen. Bei Letzteren und ihren Kinderbildnissen, egal, ob sich diese in einem Garten oder einem Interieur aufhalten, denkt man an fotografische Vorlagen. Es ist ungewöhnlich, wie Stettler Personen in Bildern platziert. Rückenansichten sind genauso zu beobachten wie das -Zoomen von Körpern in den Bildvordergrund. Die Darstellung von erkennbaren Gesichtszügen ist selten, und doch sind die Figuren weit mehr als Staffagen, sie leben durch die Betonung ihrer Körperlichkeit. Stettlers Landschaften, wie übrigens auch das ‹Stillleben mit Katze›, weisen durch die Betonung der Hell-Dunkel-Kontraste und des gestischen Farbauftrags partiell symbolistische Merkmale auf. Die Studien, von denen in der Ausstellung zahlreiche zu sehen sind, schlagen durch die skizzenhafte, beinahe fragmentarische Behandlung der Motive ein neues Kapitel auf, das so modern wirkt, dass man sich an die Arbeiten von Per Kirkeby und Peter Doig erinnert fühlt. Der reich bebilderte Katalog ist nicht nur Illustration der Ausstellung, sondern auch willkommene Ergänzung, indem er ausführlich die zweite Passion der Malerin erörtert. Während Jahrzehnten leitete Stettler zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Alice Dannenberg die noch heute bestehende Académie de la Grande Chaumière, an der so bekannte Künstler wie Alberto Giacometti, Meret Oppenheim und Louise Bourgeois studierten.

Bis 
29.07.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Martha Stettler. Eine Impressionistin zwischen Bern und Paris 04.05.201829.07.2018 Ausstellung Bern
Schweiz
CH
Autor/innen
Simon Baur
Künstler/innen
Martha Stettler

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