Natacha Donzé

Natacha Donzé · Snakes and Ladders, 2018, (Detail), Courtesy Milieu Bern
 

Natacha Donzé · Snakes and Ladders, 2018, (Detail), Courtesy Milieu Bern

 

Natacha Donzé · Three little pigs for the canvas, 2018, Courtesy Milieu Bern
 

Natacha Donzé · Three little pigs for the canvas, 2018, Courtesy Milieu Bern

 

Hinweis

Natacha Donzé

Bern — Riesengrosse, mit Neonlicht vollgesogene, träge Moskitokörper, Gartengrundrisse vor glühender Lava, Symbole von Staat, Trauer, Zeremonie, Komik. Die Motive sind hierarchielos platziert. Atmosphärisch brummt es aus der Ablüftung. Farbschleier verweisen auf Ätherisches. Die plakative Farbwahl erinnert an Corporate Identities grosser Online-Firmen oder – flach aufgetragen – an die (Un-)Tiefen von Bildschirmoberflächen.
Die Sinneserfahrung ist hier auf ein schlichtes, wiedererkennbares Vokabular destilliert. Räume werden durch Linien oder von spindeldürren Plastikhänden gehaltenen Stricken suggeriert und verweisen auf Fragmente von Welt, die augenzwinkernd verlockend wirken und gleichzeitig Angst einflössen. Wo beginnt die Grenze zwischen fiktiver und realer Bedrohung des (Un-)Heimlichen zu verschwimmen? Wo wird diese in Bauten mächtiger Behörden – Gerichtshöfen, Bundeshäusern, Bürobauten, Schulen – sichtbar? Natacha Donzés (*1991) Werke wirken wie Nachbilder auf der Netzhaut von Architekturen. In den Details oszillieren Bilder von Orten und imaginären Funktionen. Die Wahrnehmung generiert daraus wiederum Räume des (Un-)Behagens – Räume, die vermeintliche Sicherheit vortäuschen, Räume des Vergnügens (China-restaurants, Casinos) oder Räume einer fiktiven Nachwelt. So antizipiert Donzé im Bild ‹Hellbenk Money› Handelstätigkeiten im Jenseits, oder die aus Isomalt geformten Schlangen suggerieren unsere alltägliche Bereitschaft für Surrogate. Seilschaften, Verabredungen, Gräben, Blitze, Flammen und Tränen markieren diese Räume. Sie bilden narrative, repetitive Momente, die sich wiederum als abstrahierte Zeichen auf Verpackungen wiederfinden und auf Distribu-tionsketten und Gebrauchsgüter verweisen. Repräsentativ für unsere Welterfahrung zeigt ein Werk in der Ausstellung ‹White Musk› drei aufgescheuchte, auf Zehenspitzen wandelnde und mit weissen Handschuhen ausgerüstete Schweinchen, die um die Welt rotieren. Die junge Künstlerin hat sie einem Disney-Cartoon entnommen und zu einem Logo formiert, das den globalen Anschluss sucht. Ganz nach der Manier von Voltaires Candide begeben sich die Tiere auf einen abenteuerlichen Streifzug durch die leistungsorientierte Welt, ihren Lüsten und Trieben folgend und ihrem heimeligen Nest für immer entzogen.

Bis 
14.07.2018

Text: Mentorinprojekt ZHdK, MA Kulturpublizistik

 
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Milieu Schweiz Bern
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Natacha Donzé 09.06.201814.07.2018 Ausstellung Bern
Schweiz
CH
Künstler/innen
Natacha Donzé
Autor/innen
Jiajia Zhang

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