Urs Lüthi

Urs Lüthi · The Numbergirl, seen through the pink glasses of desire, 2018 (Detail) 
 

Urs Lüthi · The Numbergirl, seen through the pink glasses of desire, 2018 (Detail) 

 

Urs Lüthi · Just Another Dance, exposition au Centre culturel suisse, 2018. Foto: Marc Domage
 

Urs Lüthi · Just Another Dance, exposition au Centre culturel suisse, 2018. Foto: Marc Domage

 

Hinweis

Urs Lüthi

Paris — Ich stehe vor der Fotoserie ‹The Numbergirl, seen through the pink glasses of desire›, einer Wiederaufnahme der seit 1969 berühmt gewordenen Selbstporträts. Hier im eigens umgebauten Schweizer Kunstzentrum von Paris, umgeben von halbhoch in Krankenhaus-Grün gestrichener Wand, zwei spiegelgleich einander zugewandte, lebensgrosse Wachs-Repliken des siebzigjährigen Künstlers im Rücken, frage ich mich: Geht es in Lüthis bisher grösster Ausstellung in Frankreich um Identität? Oder um Wiederaufnahme alten Glanzes in frischer Pop-Sauce? Ein Zufall, dass der nur vier Jahre ältere deutsche Kollege Jürgen Klauke in der Galerie Suzanne Tarasiève parallel seine ‹Phantomempfindung› zeigt. Selbstverkörperungskünstler, die einst aufregten, sind heute irgendwie Mainstream. Doch so einfach lässt sich Lüthi nicht abhaken. Seine Kunst beunruhigt, von Anfang an. Sie nutzt, was die Conditio humana an Unruhe auslöst, an Rast-, auch Ratlosigkeit. Dieser Unrast geht Lüthi mit sich selbst «als Gegenstand meiner Kunst wie ein Spiegel des Universums» nach. So gesehen sind die irritierend echt wirkenden, vielbeinigen Doppelgänger des Künstlers – sie lassen an die mit Docht versehenen des 45-jährigen Urs Fischer denken, oder an das lebensgrosse, mit den Augen rollende Silikonsimulakrum des 25 Jahre jüngeren Takashi Murakami, aktuell im Grand Palais – nur ein weiterer Eingang in das «uncanny valley», das Lüthi seit je durchläuft. Eigens vom CCSP produziert, bietet diese Ausstellung einen mit tragischer Ironie gewürzten aktualisierten Zugang in dieses unheimliche Tal, in das wir gelangen, wie Lüthi es 1974 mit der Selbstporträtserie ‹Just Another Story About Leaving› zeigte, wenn wir dem Verschwinden des Menschen wiederholt ins Auge sehen. ‹Just Another Dance› setzt dem, erneut, Reproduktion entgegen. Noch eine Wiederholung – woraus sonst wird Existenz konkret?

Bis 
15.07.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Urs Lüthi 21.04.201815.07.2018 Ausstellung Paris
Frankreich
FR
Künstler/innen
Urs Lüthi
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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