W. Eugene Smith

W. Eugene Smith · National Tube Company works, U.S. Steel Corporation, McKeesport, and Union
 

W. Eugene Smith · National Tube Company works, U.S. Steel Corporation, McKeesport, and Union

 

W. Eugene Smith · Railroad Bridge over the Monongahela River, 1955–1957, gelatin silver print, Carnegie Museum of Art, Pittsburgh © Magnum Photos
 

W. Eugene Smith · Railroad Bridge over the Monongahela River, 1955–1957, gelatin silver print, Carnegie Museum of Art, Pittsburgh © Magnum Photos

 

Hinweis

W. Eugene Smith

Bologna — Mit der digitalen Bilderflut im Netz ist nicht nur der Marktwert der Fotografie verloren gegangen, sondern ebenso dramatisch scheint das Wissen um die formalen Kriterien des Mediums zu schwinden und damit dessen Lesbarkeit als visuelle Sprache. In der von Urs Stahel kuratierten Ausstellung des amerikanischen Magnum-Fotografen W. Eugene Smith (*1918–1978) in der Fondazione Mast in Bolo-gna springt der Zusammenhang zwischen Inhalt und Form in jedem Bild direkt ins Bewusstsein. Bei diesem obsessiven «Storyteller», der eine «ehrliche Interpretation der Welt» zeigen und die «Essenz der Wirklichkeit» aufdecken will, ist keine Komposition, keine Linie, kein Grauwert und keine Proportion dem Zufall überlassen. In den 170 Vintage-Abzügen seines unbeendeten Porträts der Industriestadt Pittsburgh, das ihn Mitte der Fünfzigerjahre über drei Jahre lang beschäftigt hat und das aus über 20’000 Negativen besteht, greifen Erzählung und Gestaltung in einer seltenen Präzision und Differenziertheit ineinander. So meint Smith: «Es gibt keinen Konflikt zwischen dem Journalismus und meinem Künstler-Selbst. Um ein guter Journalist zu sein, muss ich möglichst der feinste Künstler sein.» Bei diesem radikalen Meister der Reportage-Fotografie schlagen sich die akuten Beobachtungen im sorgfältigen Aufbau der Bilder nieder und entwickeln sich die Erkenntnisse während des Arbeitsprozesses sichtbar gedanklich und bildnerisch weiter. So ist seine Einsicht «Noch selten habe ich in meinen Reisen, meinen Erfahrungen solch akute Widersprüche wahrgenommen» direkt in der Gestalt der Pittsburgh-Fotografien ablesbar. In stundenlangem Feilen in der Dunkelkammer sind die Schwarz-Weiss-Bilder sehr stark kontrastiert und die Mitteltöne meist durch subtile dunkelgraue Verläufe ersetzt worden. Die Flächen sind oft geteilt durch Schichtungen von Vorder-, Mittel- und Hintergrund: In einigen Beispielen stellen die Ebenen auch ganz direkt die auseinanderklaffenden Gesellschaftsschichten dar. Elegante Herren, die Gartenarbeitern beim Werken zusehen, Maurer vor flanierenden Stadtbürgern oder Bauarbeiter über den Köpfen von Einkaufsbummlerinnen. Das epische Stadtporträt, für dessen Publikation Smith eine 13’000-Dollar-Offerte von ‹Life› abgelehnt hat und das einzig im ‹Photography Annual 1959› je veröffentlicht worden ist, erinnert an die ‹Unsichtbaren Städte› von Italo Calvino. Wie dieses vermag es einzelne Charakteristiken und Strukturen der Stadt herauszukristallisieren und deren Prinzipien in einer ausgeklügelten visuellen Sprache für die Nachwelt aufzuzeichnen.

Bis 
16.09.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
W. Eugene Smith 16.03.201816.09.2018 Ausstellung Bologna
Italien
IT
Autor/innen
Barbara Fässler
Künstler/innen
W. Eugene Smith

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