Wade Guyton — Fire and Fury

Wade Guyton · Untitled, 2018, Epson UltraChrome K3 Inkjet auf Leinen, 325 x 275 cm. Foto: Ron Amstutz

Wade Guyton · Untitled, 2018, Epson UltraChrome K3 Inkjet auf Leinen, 325 x 275 cm. Foto: Ron Amstutz

Besprechung

Wade Guyton bietet wenig und viel zugleich. Die Ausstellung ‹Fire and Fury› besteht aus dreizehn mächtigen Gemälden, installiert in drei Räumen, mit nur zwei Motiven: eine Titelseite der ‹New York Times› und eine Aufnahme seines Ateliers. Wade -Guyton geht streng ökonomisch, zugleich rätselhaft vor.

Wade Guyton — Fire and Fury

Zürich — Wade Guyton (*1972, Hammond, Indiana) zeigt in der Galerie Francesca Pia eine Serie seiner «Gemälde» – alles digitale Bilder ohne Titel, jedes grösser als zwei respektive drei Meter und Hochformat. Für Guytons Verhältnisse sind sie erfrischend figurativ. Der Künstler hat sie geschaffen, indem er eine gefaltete Leinwand durch einen grossformatigen Epson-Drucker trieb. So entstand entweder ein Bildmotiv mit zwei Hälften oder ein mehrteiliges Bild, auf dem sich eine Seite ganz oder teilweise wiederholt. Das heisst, dass jede Arbeit eine zentrale vertikale Trennung besitzt. Den Betrieb des Druckers hat er offensichtlich sabotiert; mal war die Tinte noch nicht trocken, bevor er die Leinwand erneut durch die Maschine laufen liess, mal wirkt die Bildfläche, als ob sie gezerrt wurde. Als Quelle dienten ihm Handy-Bilder der Frontseite einer Ausgabe der ‹New York Times› vom 24. Februar 2018, wie sie auf seinem Computerbildschirm erschien. Die Werbung dort für Michael Wolffs Insiderbericht über das Weisse Haus ‹Fire and Fury› liefert den Ausstellungstitel. Die Vorlage wird in der Ausstellung nicht gezeigt, erscheint aber als ein zum Trocknen aufgehängtes oder am Boden liegendes Bild im Bild, das auch auf noch weiteren Leinwänden zu finden ist. Zwei Gemälde zeigen die Details eines digitalen grafischen Rasters, ein weiteres das Verpackungsmaterial für ein Werk. Guyton antwortet auf neue digitale Kopiermöglichkeiten und eine schnelle globale Kommunikation, indem er den technischen Mitteln der Reproduktion ein Hindernis in den Weg stellt. Sein Brennpunkt bleibt so scharf, wie seine Bildquellen reduziert sind. Und doch schreibt er sich in eine kunstgeschichtliche Tradition ein, lässt Charakteristiken des Abstrakten Expressionismus aufscheinen, wie die überwältigende wandfüllende Grösse der Gemälde. Auch kritische Töne werden laut: Wolffs Buch und dessen Verbindung mit Donald Trump wirken wie ein Schrei, der durch seine Wiederholung und Drehung abstrahiert, aber auch verstärkt wird. Jedes Gemälde korrumpiert ein Vorgängerbild und öffnet zugleich neue Möglichkeiten. Bspw. mit einer horizontalen Störung durch die sorgfältige Anpassung der Leinwand während des Druckprozesses. Damit erscheint ein unlogischer Horizont, der die bereits unlogische vertikale Trennung ergänzt und zum Nachdenken über Landschaftsmalerei anregt. Mit enorm reduzierten Mitteln beschwört Guyton faszinierende, rätselhafte, komplizierte und ungelöste Bilder. Weniger ist mehr, tatsächlich. 

Bis 
21.07.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Wade Guyton 26.05.201821.07.2018 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Wade Guyton
Autor/innen
Aoife Rosenmeyer

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