Bally

Bally Création, ca. 1980, Bally Schuhfabriken AG

Bally Création, ca. 1980, Bally Schuhfabriken AG

Bally Das Geschäft mit dem Schuh, Ausstellungsansicht Museum für Gestaltung Zürich, 2019

Bally Das Geschäft mit dem Schuh, Ausstellungsansicht Museum für Gestaltung Zürich, 2019

Hinweis

Bally

Zürich — Rot-blaue Wände, silbern reflektierende Buchstaben und ein Holzboden aus breiten, rohen Brettern bilden die Bühne für den Rundgang durch die Geschichte der Firma Bally. Sechs Themenblöcke gliedern die Ausstellung im Museum für Gestaltung und lassen uns tief in die Welt der Schuhe eintauchen. Oder vielmehr ‹Welten› – Bally kleidete Füsse ebenso praktisch auf dem Mount Everest (Sherpa Tensing) wie elegant auf den Boulevards der Metropolen. Die gezeigten ‹Abendschuhe› für Damen aus der Vorkriegszeit sind filigrane Gebilde mit sehr schmalem Fussbett. Als Gegensatz dazu gibt es Einblick in die Herstellung währschafter genagelter Militärschuhe inklusive eines Musterkoffers mit Beschlägen und entsprechenden Werbemitteln. Die «Gufa» – Gummifabrik hingegen, nomen est omen, widmete sich der Herstellung von Gummistiefeln. Die Firma nahm nicht nur eine Pionierrolle in der industriellen Fertigung von Schuhen ein, sie kümmerte sich schon früh um ein entsprechendes Marketing. Das erste Plakat im Bally-Archiv stammt aus dem Jahr 1910, auf die Gestaltung von Werbemitteln wurde viel Sorgfalt verwendet. Eine Auswahl bekannter und neu zu entdeckender Plakate schmückt die Wände der Ausstellung, ergänzt durch Clips der aktuellen Kampagne mit Influencern. Nur auf Fotografien sind leider die berühmten weissen Kugeln des Capitol-Hauses von Haefeli Moser Steiger an der Bahnhofstrasse zu bestaunen. Auch die unrühmliche Entwicklung nach dem Rückzug der Familie wird thematisiert, indem anhand alter Fernsehbeiträge einem bleichen Herrn in hellblauem Hemd und grosser Brille zugeschaut werden kann, wie er sich als neuer Besitzer des Hauses Bally zu erklären versucht. Der Herr hiess Werner K. Rey und erlangte in der Folge als Finanzjongleur mit seiner Omni Holding und späteren Flucht auf die ­Bahamas zweifelhafte Bekanntheit. Heute gehört das einst stolze Schweizer Unternehmen mit Vorarlberger Wurzeln zur JAB Holding; der Firmensitz ist seit 1999 in Caslano im Tessin, das Stammhaus in Schönenwerd geschlossen. Immerhin konnte der eindrückliche Park gerettet werden. Das Firmenarchiv wird durch eine engagierte Stiftung gepflegt und erschlossen, die auch für diese durch Karin Gimmi verantwortlich kuratierte Ausstellung viele Exponate zur Verfügung gestellt hat. Mehrere Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern beleuchten die menschliche Seite eines Industriebetriebs, der einst eine ganze Ortschaft geprägt hatte. 

Bis 
11.08.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Bally – Das Geschäft mit dem Schuh 14.03.201911.08.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Thomas Schlup

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