Finsterwald

Finsterwald, 2019, Ausstellungsansicht der multimedialen Rauminstallation, Grimmwelt, Kassel. Foto: Nils Klinger

Finsterwald, 2019, Ausstellungsansicht der multimedialen Rauminstallation, Grimmwelt, Kassel. Foto: Nils Klinger

Peter Stohler mit Besuchern in der zentralen Sequenz der Installation Finsterwald. Foto: Nils Klinger

Peter Stohler mit Besuchern in der zentralen Sequenz der Installation Finsterwald. Foto: Nils Klinger

Hinweis

Finsterwald

Kassel — Weisse Lettern auf schwarzem Grund. Ein «C» hängt wie ein Mond am Himmel. Buchstaben stürzen als Wasserfall in die Tiefe. Ein Schlangennest aus Schriftzeichen, Glyphen formen einen Wolf. Unter den Füssen der Betrachtenden fliesst Typografie, strömt in den Schlund einer Versalie. Die in der Grimmwelt über 18 Projektoren gezeigte, aus neun Soundschleifen bestehende Installation ‹Finsterwald› ist nicht linear. Die insgesamt zwanzigminütige Sequenz ist immersiv, zielt auf das Eintauchen in projizierte Bild- und Klangwelten. Eine Aureole mit kometenartigem Schweif wandert durch die Projektionen, man kann dem Irrlicht folgen. Verblüffend ist die visuelle Kraft, die in der spielerischen Verweigerung der eigentlichen Funktion der Lettern liegt: Die Zeichen müssen nicht dechiffriert werden, sie werden als Bilder wahrgenommen. Selten blitzen Wörter auf, aus dem Märchen Rumpelstilzchen «Rippenbiest». So schlicht es aussen zugeht, so überbordend ist es innen: In der Installation umgibt die schwarzweiss gehaltene Buchstabenwelt farbige Projektionen, angeordnet auf einem inneren Kreis. Ins Zentrum der bewegten Realbilder kann man treten, sich über einen Spiegel in das assoziative Narrativ an Märchenzitaten einbringen. Wald steht für das Unbewusste, ist bedrohlich und anziehend zugleich. Doch allzu finster wird es in der Installation nicht, und mit Häuschen im Wald oder Feuer als reinigendem Element und Gold als Belohnung werden die Filmbilder recht eng geführt. Urbanscreen, das Bremer Produktionsstudio für interdisziplinäre Medienkunst, hat ‹Finsterwald› realisiert. Das Studio verbindet Informatik mit künstlerischem Ausdruck, erschafft ästhetische Welten durch Algorithmen. Mirko Zapp, in der Grimmwelt verantwortlich für Presse und Marketing, konzipierte die sogenannte Erlebnisausstellung als Kurator. Er stellt Transformationsprozesse heraus, die entsprechend dem Aufbau von Märchen im Dreischritt Trennung, Verunsicherung und Verwandlung erfolgen. Peter Stohler, zuvor Leiter des Kunst(Zeug)Hauses in Rapperswil-Jona und seit Jahresbeginn neuer Geschäftsführer und Programmleiter der Grimmwelt, möchte laut Lokalzeitung Wechselausstellungen künftig mehr Bedeutung beimessen und ist von interaktiven Erlebnissen überzeugt. Die erste rein digitale Ausstellung, so Stohler in der Pressemitteilung, «eröffnet Zugänge für Besucher jeden Alters, jeder Sprache und jedes Kulturkreises». 

Bis 
06.10.2019
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
GRIMMWELT Kassel Deutschland Kassel
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
FinsterWald 10.04.201906.10.2019 Ausstellung Kassel
Deutschland
DE
Autor/innen
Anne-Kathrin Auel

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