Franco Grignani

Franco Grignani · Bellezza d’Italia, 1953, Hausorgan von Dompé Pharmazeutik, Titelseite, Offsetdruck, 32,4 x 22,4 cm, Archiv Manuela Grignani Sirtoli. Foto: Matteo Zarbo

Franco Grignani · Bellezza d’Italia, 1953, Hausorgan von Dompé Pharmazeutik, Titelseite, Offsetdruck, 32,4 x 22,4 cm, Archiv Manuela Grignani Sirtoli. Foto: Matteo Zarbo

Franco Grignani · Projekt für das Logo Reine Schurwolle, 1963, Fotografische Assemblage auf Karton, 43 x 31,5 cm. Foto: Matteo Zarbo

Franco Grignani · Projekt für das Logo Reine Schurwolle, 1963, Fotografische Assemblage auf Karton, 43 x 31,5 cm. Foto: Matteo Zarbo

Hinweis

Franco Grignani

Chiasso — Was an Franco Grignanis (1908–1999) überwältigender Produktion und ausufernder Aktivität am meisten erstaunt, ist das nahtlose Ineinandergreifen der Disziplinen Fotografie, Malerei und Werbegrafik. Seine formale und optische Grundlagenforschung in der Fotografie und Malerei bewegt sich vorerst völlig frei in Gefilden der experimentellen Abstraktion und der Untersuchung optischer Phänomene und fliesst erst in einer weiteren Phase in die zielgerichtete Welt der Werbung, dies ohne ihren gegenstandslosen Charakter preiszugeben. Bereits die gegenständlichen Schwarzweissaufnahmen der Dreissigerjahre bestechen durch ihre klar durchdachten, geometrischen Kompositionen sowie durch extreme Blickwinkel und starke Licht-Schatten-Zeichnung. Sie evozieren so die Arbeiten der russischen Konstruktivisten. Durch fototechnische Experimente wie direkt belichtete Fotogramme, Verzerrung durch Linsen, Abstraktion durch Strukturglas oder Spiel mit Unschärfen hat Grignani ab den Fünfzigerjahren die Fundamente der grafischen Kunst umgegraben. Die meist aus schwarzweis­sen Linien bestehenden Strukturen entwickelt er in seinen Ölbildern weiter zu Progressionen und Vibrationen. Die Titel und die Raumorganisation der Bilder verraten die professionelle Herkunft Grignanis als Mathematiker und Architekt. Und in der Beharrlichkeit, wie er unterschiedliche Themenstränge differenziert weiterentwickelt, demonstriert er einen langen Atem. In den Siebzigerjahren lehnen sich die Streifenstrukturen immer stärker der Op-Art an. Grignani amüsiert sich wie Escher mit irrealen Raumwirkungen. Das bekannteste Werk des italienischen Grafikers ist wohl das Logo für «Reine Schurwolle»: Die einfachen, ineinandergreifenden schwarzweissen Streifen drücken die Struktur und die Bewegung des Wollknäuels aus. Grignanis Leistungsnachweis in der Grafik ist beeindruckend: Er war Art Direktor des Hausorgans des Pharmaziekonzerns Dompé ‹Bellezza d’Italia› sowie der Werbeagentur Alfieri & Lecroix. Mit seinen radikal innovativen Tafeln führt er die Experimente der russischen Konstruktivisten und der Dadaisten weiter und schafft ein spartenübergreifendes Werk höchster Spannung und Überraschung: reine Poesie nichteuklidischer Geometrie.

Bis 
15.09.2019

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