Hreinn Friðfinnsson — To Catch a Fish with a Song

Hreinn Friðfinnsson · Hulduklettur, 2017, Installationsansicht Centre d’Art Contemporain Genève, ‹To Catch a Fish with a Song: 1964–Today›, 2019. Foto: Mathilda Olmi

Hreinn Friðfinnsson · Hulduklettur, 2017, Installationsansicht Centre d’Art Contemporain Genève, ‹To Catch a Fish with a Song: 1964–Today›, 2019. Foto: Mathilda Olmi

Hreinn Friðfinnsson · Hulduklettur, 2017, Installationsansicht Centre d’Art Contemporain Genève, ‹To Catch a Fish with a Song: 1964–Today›, 2019. Foto: Mathilda Olmi

Hreinn Friðfinnsson · Hulduklettur, 2017, Installationsansicht Centre d’Art Contemporain Genève, ‹To Catch a Fish with a Song: 1964–Today›, 2019. Foto: Mathilda Olmi

Besprechung

Seine konzeptuell anmutenden Arbeiten beruhen auf narrativen Elementen wie Sagen, Literatur und Alltagserlebnissen. Damit umgeht der Isländer raffiniert eine allzu pure Ernsthaftigkeit. In der umfassenden Genfer Retrospektive steckt Erklärungspotenzial für die Verspieltheit heutiger Konzeptkunst.

Hreinn Friðfinnsson — To Catch a Fish with a Song

Genf — Schwarz-Weiss-Fotografien von menschenleeren isländischen Landschaften, darauf Text in Schreibmaschinenschrift, eingerahmt: Die rigorose Präsentation der ‹Sacred and Enchanted Places›, 1972, evoziert wenige Jahre zuvor entstandene Werke von Joseph Kosuth, Art & Language oder auch der Land Art. Doch in diese Bewegungen lassen sich die Arbeiten von Hreinn Friðfinnsson (*1943, Bær í Dölum) nur bedingt einordnen. Sein Interesse an der Beziehung von Bild und Text scheint weder vordergründig analytisch-semiotischer Art zu sein, noch auf herkömmliche Weise auf eine geografische «Site» (Robert Smithson) ausserhalb des Ausstellungsraums zu verweisen. Über eine indexikalische Beschriftung hinausführend, lenkt das Geschriebene den Fokus auf die nicht sichtbare Bedeutung der abgebildeten Orte: auf Erzählungen um die sagenumwobenen Schauplätze. Erzählerische Komponenten ziehen sich in unterschiedlichen Spielarten durch das Werk. Einem Foto von sich als Kind verleiht der Künstler mythischen Status, indem er ihm ein 19 Jahre später inszeniertes Porträt von sich in der exakt gleichen – zeichnenden – Position gegenüberstellt. Was auf dem weissen Blatt entstanden sein soll, erfahren wir durch Schriftzüge unter den beiden Fotos dieses Diptychons und dessen Titel: ‹Drawing a Tiger›, 1971. Es handelt sich um kleine Gesten, mit denen Friðfinnsson in seinen Kunstwerken an bereits Vorhandenes und ihm zufällig Begegnetes anknüpft. Kegelförmig an der Wand befestigte farbige Papiere gingen, dem Wandtext daneben zu entnehmen, aus einem Zusammentreffen in einer Bar und einem Gespräch über den kegelförmigen Erdschatten hervor. Nicht weniger als die Erdgeschichte greift er in ‹Hulduklettur›, 2017, auf. Ammoniten bevölkern einen Berg aus geöffneten und geschlossenen Kartonschachteln. Dazu gesellen sich ein anatomisches Modell des Innenohrs, Fotos von Zwillingen, die eine Muschel ans Ohr halten, Galaxien, Swarovski-Kristalle und die Projektion einer Meereswelle. Spiegel vervielfachen Teile der verschachtelten Installation. Die Fossilien haben das fünfte Massenaussterben nicht überlebt, doch die formale Repetition ihrer Spiralform in den anderen Objekten suggeriert eine weiterhin orchestrierende Formel. In einer Serie von Filmen von unbeholfenem Schaukeln, Trampolinspringen oder Schlittschuhlaufen im Kreis übernimmt Friðfinnsson die der jeweiligen Bewegung entsprechende physikalische Formel als Werktitel – und als absurd treffende Beschreibung menschlichen Verhaltens. 

Bis 
25.08.2019

→ ‹Hreinn Friðfinnsson – To Catch a Fish with a Song: 1964–Today›, Centre d’Art Contemporain Genève, bis 25.8.; mit ausführlichem Katalog ↗ www.centre.ch → KW Berlin, 28.9.–5.1.20 ↗ www.kw-berlin.de

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