Ida Ekblad — Alles fliesst

Ida Ekblad · Fra Åre Til Ovn, 2019, Courtesy Kunsthalle Zürich © ProLitteris. Foto: Annik Wetter

Ida Ekblad · Fra Åre Til Ovn, 2019, Courtesy Kunsthalle Zürich © ProLitteris. Foto: Annik Wetter

Ida Ekblad · Fra Åre Til Ovn, 2019, Courtesy Kunsthalle Zürich © ProLitteris. Foto: Annik Wetter

Ida Ekblad · Fra Åre Til Ovn, 2019, Courtesy Kunsthalle Zürich © ProLitteris. Foto: Annik Wetter

Besprechung

Die Räume der Kunsthalle Zürich wirken aufgeräumt. Doch die suggerierte weitläufige Übersichtlichkeit lockt auf eine falsche Fährte. Denn die Ausstellung ‹Fra Åre Til Ovn› der norwegischen Künstlerin Ida Ekblad quillt förmlich über vor Referenzen, Ideen und Ästhetiken.

Ida Ekblad — Alles fliesst

Zürich — Es ist der neue Status quo der heutigen globalen Eliten, sich nicht festlegen zu wollen. Nicht im Beruf, nicht in der Beziehung, nicht im Wohnort und schon gar nicht in dem, was man irgendwann früher noch den «guten Geschmack» genannt hat. Alles kann, je nach Gusto und Couleur, umgedeutet, neubesetzt und transformiert werden. Alles, was eine zu klare Haltung evoziert oder sich zu leicht einordnen lässt, macht sich verdächtig. Diese opake und im Ungefähren agierende Haltung findet sich bisweilen auch in der Kunst und endet häufig genug in seelenloser Beliebigkeit, kann aber auch, wie in der Ausstellung ‹Fra Åre Til Ovn› von Ida Ekblad (*1980, Oslo), ein Zeugnis absoluter Zeitgenossenschaft sein. Die Ausstellung zeigt das Werk einer Künstlerin, die agil, multidisziplinär und kollaborativ die eigenen Referenzpunkte zu einer intellektuell und ästhetisch stimulierenden Erfahrung verknüpft. Einer Erfahrung, die oberflächlich ist und gleichzeitig Tiefe besitzt und in dieser (vermeintlichen) Widersprüchlichkeit wie gemacht scheint für das 21. Jahrhundert. In der Ausstellung manifestiert sich diese Erfahrung in einer kuratorischen Dreiteilung: Im unteren Stockwerk der Kunsthalle befindet sich, als Auftakt, ein Shop. Denn Ida Ekblad ist im Selbstverständnis nicht nur bildende Künstlerin, sondern auch Designerin, Produzentin und Kuratorin, also im gewissem Masse Feilbietende, die hier ihre Produkte wie T-Shirts, Schallplatten, Decken oder Mützen verkauft. So involviert Ekblad nicht nur alle, welche die Ausstellung besuchen, als potenzielle ­finanzielle Komplizen in ihre Arbeit(en), sondern verweist auch auf den Archetyp des Museumsshops, in dem sonst, egal wo auf der Welt, immer ähnliche Kataloge gekauft werden können. Hinter ihrem subjektivierten Museumsshop eröffnet sich dann die lichtdurchflutete Kunsthalle, in der Skulpturen aus Bronze und Eisen platziert sind. Hier beginnt ein vieldeutiges Spiel mit Symboliken, Prozessen, Transformationen und Bedeutungen, das man mitspielen kann, aber nicht mitspielen muss. Denn die Arbeiten funktionieren auch, besonders in Korrespondenz mit der Architektur und ganz im Sinne ihrer Organisation als Skulpturenhalle, als ästhetische Erfahrung. Um die ­Troika der Museumserfahrungen zu komplementieren, wurde im oberen Stockwerk der Kunsthalle noch ein Salon mit von Ekblad konzipierten schmiedeeisernen Gartenbänken eingerichtet, der durch sein Interieur in einer «durchgedrehten Villa» verortet zu sein scheint und das referenzielle Spiel des unteren Stockwerks in nochmals anderer Ästhetik und Materialität weiterführt. 

Bis 
18.08.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Ida Ekblad 08.06.201918.08.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Ida Ekblad
Autor/innen
Mathis Neuhaus

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