Kunsträume — Space Out

data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit · Il est onze heures quinze, Vernissage, 5.5.2019. Fotos: ­Daniela Anker und Alexandre Becholey

data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit · Il est onze heures quinze, Vernissage, 5.5.2019. Fotos: ­Daniela Anker und Alexandre Becholey

data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit · Il est onze heures quinze, Vernissage, 5.5.2019. Fotos: ­Daniela Anker und Alexandre Becholey

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data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit · Il est onze heures quinze, Vernissage, 5.5.2019. Fotos: ­Daniela Anker und Alexandre Becholey

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Fokus

Die Vitrine als Format des Offspace ist nicht neu. Das ‹Space Out›, das von der Künstlerin Maeva Rosset seit Oktober 2017 temporär in Payerne betrieben wird, fällt dabei aber neben seiner speziellen Lage abseits bekannter Kunstzentren durch einen klug arrangierten Lokalbezug auf. 

Kunsträume — Space Out

Ein kalter Maitag, doch eine Gruppe von Menschen schreibt trotzdem mit Kreide fleis­sig Zitate weiblicher Kunstschaffender auf die Strassen des sonntäglichen Pay­erne. Die Aktion ist Teil einer speziellen «marche»: Für die Gymnasiastin Laurène Dupuis, die Siegerin eines kleinen Nachwuchswettbewerbs, stellt dieser «feministische» Rundgang den Auftakt einer Arbeit dar, die sie in zwei Monaten im ‹Space Out› zeigen wird. Zunächst steht dort aber, gleich im Anschluss an ihre «marche», die Vernissage von data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit an, das sind Daniela Petrini und Tanja Trampe, die mit Recherchen arbeiten und Verdrängtes thematisieren. Unter dem Titel ‹Il est onze heures quinze› präsentieren sie drei Cyanotypien von Stadtansichten – Hinweise auf den Ort, wo der Viehhändler Arthur Bloch 1942 ermordet wurde, wobei die antisemitischen Hintergründe lange tabuisiert waren. Jacques Chessex schrieb 2009 dazu einen Roman, auf dessen Spuren sich die «marche» der letzten Vernissage vor zwei Monaten bewegte: An den jeweiligen Schauplätzen lasen Teilnehmende das Kapitel des Mordes vor. Dies ist nun täglich vor der Vitrine zu hören. Das ‹Space Out. Une vitrine pour l’art› der Künstlerin Maeva Rosset, die lange in ­Payerne lebte und nun in Bern wohnt, mag wie eine ordinäre Kunstvitrine anmuten. Doch macht der Name stutzig. Dahinter steckt ein Experiment mit dem Offspace abseits jedes Kunstzentrums. Rosset möchte Kunstschaffende für die Stadt und das Publikum für Gegenwartskunst interessieren: Die Vermittlung – ihre Rede an der Vernissage und die auskunftswilligen Kunstschaffenden – stösst dabei auf positive Resonanz. Strukturiert wird die künstlerische Arbeit durch die genannten «marches», die den jeweiligen Schaffensprozesses bis zur Vernissage einleiten. Sie werden von ­Rosset auf die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler abgestimmt, wobei es auch sein kann, dass wie bei Christelle Becholey Besson ein Hund die Gruppe ins Schlepptau nimmt. Die Initiatorin macht nur Vorschläge, die Kunstschaffenden erhalten eine Carte blanche, dennoch ist klar, dass der Reiz darin besteht, sich auf diesen Ort mit Neugierde einzulassen.
Hinter dem Projekt steckt wie üblich viel Gratisarbeit, auch wenn dank Kanton und Stadt kleine Beiträge für die Ausstellenden möglich sind und die Vitrine gratis zur Verfügung steht. Kehrseite davon ist, dass aufgrund von Baumassnahmen diesen Herbst das Projekt sein Ende finden wird, wobei seit neustem eine gehaltvolle Dokumentation in Form eines limitierten Katalogs als Rückblick vorliegt.

Adrian Dürrwang. Kunsthistoriker, freier Autor und Lehrer in Bern. a_duerrwang@hotmail.com
Kunsträume — Die Reihe wird realisiert mit Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Space Out Schweiz Payerne
Autor/innen
Adrian Dürrwang
Künstler/innen
Rosset Maeva

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