Ohne Verfallsdatum

Pat Noser · Migros grün, 2008, Öl auf Leinwand, 200 x 150 cm

Pat Noser · Migros grün, 2008, Öl auf Leinwand, 200 x 150 cm

Quynh Dong · My Second Paradise, 2013, Full HD Video, Farbe, Ton, 8’33’’

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Hinweis

Ohne Verfallsdatum

Bern — Total, Farmer, Valser und andere Produkte im Einkaufwagen zeigt Pat Nosers Gemälde ‹Migros grün› auf dem Plakat der Ausstellung ‹Ohne Verfallsdatum. Schenkung und Leihgaben der Sammlung Migros Aare›. Erwartet uns im Kunstmuseum Bern ein zusammengewürfelter Warenkorb? «Jein» – ein ausgesuchter Warenkorb! Die Migros Aare beweist seit den Sechzigerjahren ein Gespür für bedeutendes regionales Kunstschaffen. Die Ausstellung setzt zwei Zeiträume gegeneinander, in denen das Kunstsammeln Priorität genoss: einerseits von 1987 bis 1997, als Ulrich Look, Kunsthallendirektor, relativ frei Ankäufe tätigen konnte, und die Zeit seit 2016, als neu eine Ankaufskommission eingerichtet wurde. Die Werke der Ära Look wurden 2005 dem Kunstmuseum geschenkt, aber noch nie so breit präsentiert. Dabei fällt als zeittypischer Schwerpunkt die Malerei auf, etwa hervorragende Arbeiten von Alois Lichtsteiner oder Babette Berger. Gegenübergestellt werden ihnen in jüngerer Zeit erworbene Arbeiten, vermehrt auch andere Medien wie Video. Die Ausstellung schafft gekonnt Bezüge, etwa motivische, wenn Vincent Chablais’ Gemälde einer gesichtslosen Häuserfront rhythmisierter Glasfenster und Balkone von 1994 auf die Fotografien peripherer Vorstädte von Andreas Tschersich trifft. Oder im Fokus stehen ab­strakte Fragen wie der Umgang mit Konstruktion und Kultur: So erinnert in einem Eckraum eine Plastik von Irene Schubiger von 1991 an einen prekär-brüchigen, archaischen Tisch. An der Wand eine Serie von Maia Gusberti von 2013. Eine Nachtaufnahme von Johannesburg wurde mittels Druckverfahren transformiert und physisch zu dreidimensionalen Körpern gefaltet und wieder aufgenommen, wodurch sich komplexe Überlagerungen und Perspektiven ergeben. Jerry Haenggli nimmt 2016 schwarze Rechteckformen, für ihn Ausdruck des menschlichen Strebens nach Perfektion und Abstraktion, und bindet sie in Tuschezeichnungen «gesellschaftspolitischer» Szenen ein. Sie werden zu Plakaten von Protestierenden oder zum blanken Dokument einer feierlichen Vertragsunterzeichnung. Der Besuch der gelungenen Schau wird begleitet von einer «Zeitung», einem ausführlicheren Saaltext, der auch die Fragen nach dem Wesen und den Kontinuitäten einer «Firmensammlung» reflektiert, die hier zu beobachten sind. 

Bis 
15.09.2019

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