Olivier Mosset — TUTU

Olivier Mosset · Ex Cave, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2019. Foto: Stefan Altenburger

Olivier Mosset · Ex Cave, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2019. Foto: Stefan Altenburger

Olivier Mosset · Ex Cave, Cimaises, 2019, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv. Foto: Bettina Diel

Olivier Mosset · Ex Cave, Cimaises, 2019, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv. Foto: Bettina Diel

Besprechung

Monochrom, Hard Edge, Shaped Canvas – das sind die Begriffe, unter denen Olivier Mossets Bilder gerne subsumiert werden. Dass man der kühl anmutenden geometrischen Oberfläche aber nicht immer trauen kann, zeigt die retrospektiv angelegte Ausstellung im Zürcher Haus Konstruktiv.

Olivier Mosset — TUTU

Zürich — Zunächst erscheint es fraglos, dass Olivier Mosset nirgendwo anders als im Bereich des Konkreten zu verorten ist. Im Eingangsbereich taucht man mit acht riesigen Farbtafeln ins Monochrome ein, in den oberen Stockwerken begegnet man weiteren Manifestationen dessen, was gerne als geometrische Abstraktion bezeichnet wird – einem goldenen Stern und einem gekippten roten Kreuz etwa, deren Inhalt die äussere Bildform bestimmt, oder Tafelbildern mit hart gegeneinander abgesetzten Farbflächen. Spätestens wenn Leinwände in Buchstabenform aber in der Hängung ganz zufällig das Wort TUTU bilden und damit auf eine Arbeit von Marcel Duchamp verweisen, melden sich Zweifel an, ob das, was man sieht, wirklich immer bloss das ist, was man in dem Moment sieht – wie Olivier Mosset in einem Interview mit der Kuratorin Sabine Schaschl sagte. Eigentlich müsste man ja schon bei den monochromen Tafeln misstrauisch werden, wenn ein auffälliges Himbeerrot und ein Azurblau aus dem Rahmen fallen. Beginnt man sich da nicht unweigerlich für die Farben dieser Bilder zu interessieren, die doch behaupten, bloss Farbe, Farbauftrag und Farbträger zum Thema zu haben? Und doch bleiben die Fragen vor diesen Tafeln genuin malerische, man staunt über ein schmuddeliges Braun, das mit wechselndem Blickpunkt auberginefarbene Nuancen preisgibt, und darüber, wie die ephemeren ‹Cimaises›, Wandstücke aus Eis, auf dem Vorplatz des Museums ähnliche Effekte von Transparenz und Opazität zeigen. Ist Farbe mehr als blosse Materie? Olivier Mosset ist ein Schelm, wenn er uns gleich am Objekt vorführt, dass es darauf ankommt, wie man es betrachtet. Was etwa soll ein schwarzer Kreis auf einer weissen Leinwand schon anderes sein als das, was man sieht? Bekannt wurde die serielle Arbeit durch die Aktionen der Künstlergruppe BMPT, in der Mosset 1967 zusammen mit Daniel Buren, Michel Parmentier und Niele Toroni in reduzierter, repetitiver Formsprache auf den Abstrakten Expressionismus und das Authentizitätsbegehren des Kunstmarkts reagierte. Die Kreise hätten, wie Daniel Burens Streifen, zu einem schicken Markenzeichen werden können. Doch es gibt nur etwa zweihundert Stück davon. Drei sind in der Ausstellung zu sehen, die sich überhaupt ein bisschen wie Hors-d’œuvre ausnimmt: Häppchen, die hoffentlich Appetit machen, im spröden Diskurs der analytischen Malerei das Schillernde zu entdecken, wenn Olivier Mosset immer neu danach fragt, was Farbe auf Leinwand ist oder sein könnte. 

Bis 
08.09.2019

→ ‹Olivier Mosset – TUTU›, ein Raum in Kollaboration mit dem Lichtdesigner Madjid Hakimi, bis 8.9.; zur Ausstellung erscheint eine Monografie im Snoeck-Verlag, Köln ↗ www.hauskonstruktiv.ch

Ausstellungen/Newstickerabsteigend sortieren Datum Typ Ort Land
Olivier Mosset - TUTU 30.05.201908.09.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Gabrielle Boller
Künstler/innen
Olivier Mosset

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