Stephen Willats

Stephen Willats · A Difficult Boy in a Concrete Block, 1983, Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst

Stephen Willats · A Difficult Boy in a Concrete Block, 1983, Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst

Stephen Willats · VDU Transformation Series No. 9, 1989, Plakatfarbe und Bleistift auf ­Papier, 68,5 x 101 cm 

Stephen Willats · VDU Transformation Series No. 9, 1989, Plakatfarbe und Bleistift auf ­Papier, 68,5 x 101 cm
 

Hinweis

Stephen Willats

Zürich — Es war eine Überraschung, den Namen Stephen Willats im Jahresprogramm des Migros Museum anzutreffen. Der englische Künstler ist für viele immer noch ein Geheimtipp, obwohl seine Werke fast schon stilbildend sind. Die Überblicksausstellung lässt – mit einer Ausnahme – nichts zu wünschen übrig. Schade nur, dass die Kunst, wenn sie ins Museum eingeht, oft in Tiefschlaf fällt. Gerade im Fall von Stephen Willats wird einem diese Tatsache bewusst. In den Sechzigern und Siebzigern, aber auch später unternahm er zahlreiche Aktionen ex muros, an Orten, die nur wenig von der Kunst berührt waren. Zumeist waren dies Städte in England, die in den industriellen Umbruchjahren in den Postfordismus hineinschlitterten, aber auch in architektonischen Betonwüsten des sozialen Wohnungsbaus. Beflügelt von den aufkommenden Kommunikationstheorien und der Kybernetik, setzt er in seinen Werken auf kommunikativen Austausch. Die Kybernetik nach Norbert Wiener bildet die Grundlage für Willats’ Ansatz: sich selbst steuernde und regulierende soziale Systeme, die sich immer wieder neu ausrichten und organisieren. Dieser Ansatz ist gerade deswegen interessant, weil Veränderung und Anpassung Teil des Prozesses sind und nicht als Störungen in einem fixen System wahrgenommen werden. Der Künstler leitete diese Prozesse ein, beobachtete sie und überführte die Resultate in Bilder, Magazine, Installationen und Fotografien. Stephan Willats als einen Pionier im Bereich partizipativer und sozial engagierter Kunst zu bezeichnen, ist folglich angebracht. Der Titel ‹Languages of Dissent› trägt die Idee in sich, dass der Mensch nur im Austausch wächst. Die Andersartigkeit des Gegenübers ist keine Störung, sondern konstitutiver Teil sozialer Systeme und ermöglicht erst, sich selbst zu erkennen und Gemeinschaft zu leben. Gerade für die konsensorientierte Schweiz, die Konfrontationen eher meidet, mag ein solcher Ansatz eine Herausforderung sein. Im Migros Museum zeigt der englische Künstler Werke in einer eindrücklichen Überblicksausstellung, in der sich die künstlerische Entwicklung bestens ablesen lässt. Solche Präsentationen sind selten, da die Werke von Kunstschaffenden dieses Kalibers heute in aller Welt verstreut sind und es normalerweise das Brachialinstrument Blockbusters braucht, um Werke zu versammeln. Die Ausstellung ist also ein Glück in doppelten Sinn, weil Stephen Willats ein bedeutender Künstler ist und weil solche Überblicke rar sind. Gleichzeitig geht aber auch die kybernetische Dynamik verloren, da die Werke isoliert vom Kontext gezeigt werden oder man den Versuch unterlassen hat, ein solches Momentum in einem eigenen Projekt in Zürich zu initiieren. Aber vielleicht lebt man ja  auch in einer der bestmöglichen Städte, die jenseits von wesentlichen Konflikten ist. 

Bis 
18.08.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Stephen Willats 25.05.201918.08.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Stefan Wagner
Künstler/innen
Stephen Willats

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