Adriaen van Ostade

Adriaen van Ostade · Der Familienvater, 1648, Radierung, Kunst Museum Winterthur

Adriaen van Ostade · Der Familienvater, 1648, Radierung, Kunst Museum Winterthur

Adriaen van Ostade · Der leere Krug, Radierung, Kunst Museum Winterthur

Adriaen van Ostade · Der leere Krug, Radierung, Kunst Museum Winterthur

Hinweis

Adriaen van Ostade

Winterthur — ‹Adriaen van Ostade: The Simple Life› ist der beste Beweis dafür, dass gerade kleine Ausstellungen es oft in sich haben. Jedes Werk zieht da die Aufmerksamkeit auf sich, jedes erzählt ein Stück Alltagswirklichkeit mit ihren typischen und besonderen Momenten. Und jedes zeigt eine Fülle von schöpferischen Möglichkeiten, mit denen diesen meist der ländlich-dörflichen Welt entstammenden Menschen die Bühne bereitet wird: dank grossartiger Lichtführung, schönsten Kontrasten, verlockender Tiefe, raffiniert durchdachter Komposition, nuancenreicher Einfühlung. Schau her, scheint alles zu sagen, und freue dich an dem, was ist und was es dir sagen will. Von den fünfzig Radierungen, die Adriaen van Ostade (1610–1685), wohl von Rembrandts grafischem Werk inspiriert, ab den späten 1640er-Jahren geschaffen hat, hat ­Kuratorin Andrea Lutz zwanzig ausgewählt. Der Haarlemer Künstler, dessen Gemälde in den grössten Museen hängen und ebenfalls dem Bauern­genre verpflichtet sind, verzichtet darin weitgehend auf alles Derbe, Spöttische und erzählt ebenso erfindungsreich wie empathisch von den kleinen Verhältnissen – als Unterhaltung für seine städtisch-bürgerlichen Kunden, die zur beobachtenden Teilnahme aufgerufen werden. Die Vielfalt der Exponate ist erstaunlich, ebenso der Detailreichtum im Grossen wie im Kleinen. Da gibt es, es ist das grösste Blatt in der Ausstellung, den ‹Tanz im Wirtshaus›, auf dem zwar nur ein Paar tanzt, aber eine Menge weiterer Figuren beziehungsreich dabei sind. Mindestens so farberfüllt in seiner Wirkung ist, auch das ein grosses Blatt, ‹Das Frühstück›: anspielungsreich und voller Geschichten, vergangener und solcher, die erst noch kommen werden. Beiden Szenerien hat Ostade, wie auch sonst, wahre Lichtbühnen bereitet; beide zeigen sich als Innenräume, bei denen das Aussen mitgedacht ist. Das Umgekehrte gilt auch, vielleicht nicht ganz so prononciert, etwa bei einfigurigen Fensterbildern wie ‹Der Bäcker› oder ‹Der Raucher am Fenster› und Türszenen wie ‹Der Brillenhändler›. Andere Blätter haben den Charakter von Idyllen. Das trifft besonders für Ostades Familieninterieurs zu, die durch innigen Zauber und eine andere Form von Licht, inneres Licht, bestechen: heilige Familien der anderen Art. Und dann ist da noch das überraschende und für mich modernste Blatt der Ausstellung mit seinem Hin und Her von Innen und Aussen, der vom Betrachter abgewandten einzigen Figur am Rand, die nicht wichtiger ist als alles andere, was da herumsteht und -liegt: abgründig schön ‹Die Scheune› mit all ihren Zeichen der Vergänglichkeit. 

Bis 
08.11.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Adriaen van Ostade: The Simple Life 30.05.202008.11.2020 Ausstellung Winterthur
Schweiz
CH
Autor/innen
Angelika Maass
Künstler/innen
Adriaen van Ostades

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